München ( dpa ). DFB-Präsident Theo Zwanziger möchte die pikante Akte ein für alle Mal schließen, doch Manfred Amerell will von einem SchlusspfiffimSchiedsrichter-Skandal noch lange nichts wissen. Der ehemalige Verbandsfunktionär und der Deutsche Fußball-Bund ( DFB ) schlossen gestern nach einem Gütegespräch im Münchner Justizpalast zwar einen außergerichtlichen Vergleich. Nach der Einigung vor dem Landgericht München I erhielt Amerell aber die von ihm angestrebte Einsicht in die Eidesstattlichen Erklärungen der bisher anonymen Schiedsrichter, die ihn neben Michael Kempter der sexuellen Belästigung beschuldigt hatten. Dabei erfuhr er auch deren Namen, darf diese aber nicht weiterreichen.

" Ich bin zufrieden mit dem Tag. Der Sinn der Sache war, dass wir die Namen kriegen ", sagte Amerell. Am Abend kündigte er in der TV- Sendung " Kerner " an, dass er die Belastungszeugen des DFB verklagen will. " Mit allen vier wird sich in kürzester Zeit der Staatsanwalt beschäftigen. " Zugleich attackierte er die DFBSpitze um Zwanziger und nannte die Behauptung, er sei von seinen DFB-Ämtern zurückgetreten, eine " glatte Lüge ". " Ich wurde erpresst, das so zu machen ", sagte Amerell am Abend bei der Aufzeichnung der Sat. 1-Sendung in Hamburg.

Als der Vorsitzende Richter Peter Lemmers wenige Stunden zuvor das " friedliche und einvernehmliche " Ende des delikaten Verfahrens ( AZ 25 O 32345 / 10 ) bekanntgab, warf Amerell einen zufriedenen Blick zu den rund 200 Zuschauern im Saal 210. Der 63-jährige Hotelbesitzer aus Augsburg hat ein Etappenziel erreicht. Dem von Justiziar Jörg Englisch und dem Berliner Medien-Anwalt Christian Schertz vertretenen DFB droht ein Strafprozess. " Der DFB hat korrekt gehandelt ", sagte Zwanziger in einer ersten Reaktion. " Es gibt klare Ergebnisse, die Transparenz ist da. Der DFB ist kein Verband, in dem versteckt und gemauschelt wird ", so Zwanziger in einer Pressekonferenz.

Amerells Münchner Anwalt Jürgen Langer hatte zuvor den Unterlassungsantrag zurückgezogen. Der DFB darf also weiter öffentlich behaupten, Amerell habe in der Vergangenheit mehrere Schiedsrichter sexuell bedrängt und / oder belästigt.

Bereits am Mittwochabend hatten sich die Parteien um eine außergerichtliche Einigung bemüht, was aber laut Richter Lemmers am Länderspiel scheiterte. In dem gestrigen mehrstündigen Gütegespräch in einem Nebenzimmer wurde Amerell verpflichtet, die Namen der ihn belastenden Referees nicht zu veröffentlichen.

Sollte der Ex-Referee Amerell Recht bekommen, hält Zwanziger Konsequenzen für unvermeidbar. " Dieser Fall träte ein, wenn die Aussagen aller jungen Schiedsrichter, die wir zu schützen haben, und ihre eidesstattlichen Erklärungen falsch wären. Denn dann wäre Herr Amerell das Opfer. " Laut " kicker " erwägt Zwanziger offenbar, die Vertrauensfrage zu stellen.