Melbourne ( dpa ). " Formel Geil " statt " Formel Gähn " : Dank des Thrillers von Melbourne ist die heftige Debatte über Langeweile in der Formel 1 schlagartig verstummt.

Der Große Preis von Australien hat zwei Wochen nach dem einschläfernden Saisonstart in Bahrain anschaulich bewiesen, dass trotz der radikalen Reglementsänderungen wie Nachtankverbot und schmaleren Vorderreifen die Spannung nicht zwangsläufig auf der Strecke bleiben muss.

" Ich denke, wir haben eine Wiedergutmachung betrieben für das erste Rennen. Es war ja viel los ", sagte Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, der selbst einiges zur " guten Action " beigetragen hatte. Für Pechvogel Sebastian Vettel lagen die Ursachen für den knisternden PS-Krimi auf der Hand : " Bei solchen Bedingungen passieren mehr Fehler. "

Überraschender Regen kurz vor dem Start, packende Positionskämpfe und Kollisionen schon in der ersten Kurve, spektakuläre Rad-an-Rad-Duelle und Überholmanöver sorgten für Knaller am Fließband.

WM-Mitfavorit Vettel nach seinem zweiten technischen K. o. innerhalb von 14 Tagen, der nach einem " Nasenstüber " hoffnungslos hinterherfahrende siebenmalige Champion Schumacher, der nach einer waghalsigen Attacke auf Rang neun zurückgefallene und deshalb tief frustrierte Lokalmatador Webber sowie der wie entfesselt fahrende Lewis Hamilton bescherten dem Grand Prix eine faszinierende Dramaturgie.

" Melbourne hat die Formel 1 wieder zum Leben erweckt ", titelte die australische Zeitung " The Age " begeistert. " Eines der spannendsten Rennen der jüngeren Zeit ", bejubelte " Globoesporte " aus Brasilien. " Welch ein Zirkus im Albert Park ", befand der österreichische " Standard ". Und " El Periódico de Catalunya " aus Spanien tönte sogar schon : " 2010 wird ein tolles Jahr für den Formel-1-Sport sein. "

Mercedes-Motorsportchef

Norbert Haug betonte : " Das Rennen war sensationell. Es war genau das, was die Formel 1 nach Bahrain gebraucht hat. "

Beim dritten Saisonlauf am Sonntag dürfte es unter normalen Umständen allerdings nicht so Schlag auf Schlag zugehen. Der ultramoderne Sepang International Circuit zählt nicht zu den Strecken-Highlights, bietet aber genügend Überholmöglichkeiten und fordert den Fahrern wegen der schwülen Hitze körperlich alles ab. Wolkenbruchartiger Monsun wie beim Renn-Abbruch im Vorjahr kann allerdings schlagartig zu Chaos führen.

Generell ist auch in dieser Saison mit einem Auf und Ab zu rechnen. Auf Spannung pur kann ein Schlafwagen-Rennen folgen. Entscheidend dafür sind in erster Linie Streckencharakteristik, Witterungsbedingungen, Startverlauf und Zuverlässigkeit der Autos.

Stadtkurse wie Melbourne, Monaco und Montreal oder Klassiker wie Spa-Francorchamps, Monza und Suzuka garantieren Formel 1 vom Feinsten. China, Valencia, Ungarn oder Abu Dhabi boten zuletzt dagegen kaum prickelndes PSSpektakel.