Eigentlich war die Saison für Thorsten Salzer nach dem letzten Spiel der SCM-Youngsters am Pfingstsonnabend beendet, und der 24-Jährige freute sich auf den wohlverdienten Urlaub. Doch dann stand Interimscoach Sven Liesegang vor ihm und bat um Hilfe, da bei der ersten Mannschaft Not am Mann war. Salzer warf kurzerhand seine Pläne über den Haufen: "Da brauchte ich nicht lange zu überlegen, von so einer Chance träumt doch jeder junge Spieler."

Magdeburg. Der etatmäßige Rückraumspieler der Youngsters, der im vergangenen Jahr vom Zweitligisten Hildesheim nach Magdeburg gewechselt war, rief seine Freundin Saskia an und erklärte ihr, dass es später als geplant nach Dänemark gehen wird. Und so reiste die Studentin am Montag statt nach Norden in den Süden Deutschlands nach Dormagen, um beim Erstliga-Debüt ihres Freundes live dabei zu sein.

Die Aufregung vor der Premiere habe sich in Grenzen gehalten, so Salzer. "Aber natürlich ist es etwas ganz anderes, als wenn man in der 2. Liga spielt. Zumal es ja auch noch ein Fernsehspiel war und ich wusste, dass daheim und anderswo etliche Leute zuschauen, die dich kennen."

Einer, der mit Argusaugen das Spiel verfolgte, war Timo Salzer, der zwei Jahre ältere Bruder des Wahl-Magdeburgers. Der ist vom Fach, denn er spielt seit 2006 beim Erstligisten HSG Wetzlar. Und das Urteil des großen Bruders war hart, aber herzlich: "Timo war der Meinung, dass ich fürs erste Mal ganz gut gespielt habe, aber nach oben noch viel Luft ist."

"Ganz okay" fand der 1,92 m große, universal einsetzbare Rückraumspieler selbst seinen Auftritt. Aber für Euphorie sieht der in Ludwigsburg geborene Handballer keinen Grund. "Ich habe einige Fehler gemacht und im Angriff fehlte die Feinabstimmung. Aber dabei muss man berücksichtigen, dass ich nur einmal mit der Ersten zusammen trainieren konnte", so Salzer, der vor allem in der Abwehr ohne Angst vor großen Namen zulangte wie ein alter Hase.

Auch Liesegang war "sehr angetan" von der couragierten Spielweise des Youngsters: "Alles, was Thorsten gemacht hat, hatte Hand und Fuß ge-habt. Ohne dem zukünftigen Trainer Frank Carstens da reinreden zu wollen: Ich denke, Thorsten Salzer muss ein Mann für die nähere Zukunft sein – wenn nicht sogar schon für die nächste Saison."

Das hört der über den Klee gelobte Salzer, der in der vergangenen Woche seinen Vertrag bei den Youngstern um ein Jahr verlängert hat, gern. "Natürlich ist es mein Ziel, irgendwann dauerhaft in der ersten Liga zu spielen. Aber das hängt zuallererst von Trainer Frank Carstens ab. Ich würde mich jedenfalls riesig freuen, wenn er mir eine Chance geben würde."