Magdeburg l Nun könnte man denken, ihr neunter Titel über die 200 Meter Schmetterling wäre reine Routine gewesen, ein langweiliger Vorbeimarsch direkt in die Ahnengalerie des Deutschen Schwimmverbandes (DSV). Aber Franziska Hentke findet an Titeln gar nichts langweilig, „das bedeutet mir immer noch viel“, betonte die 28-Jährige vom SC Magdeburg. „Neun Jahre die Beste auf einer Strecke in Deutschland zu sein“, sagte sie, „das hat etwas. Aber jetzt will ich auch die Zehn vollmachen, die Chancen dafür stehen ja nicht schlecht.“

Beim Blick auf die Weltrangliste stehen die Chancen auf eine Medaille bei der Weltmeisterschaften in Budapest (Ungarn/15. bis 30. Juli) auch nicht schlecht: Denn mit 2:06,18 Minuten im Finale von Berlin am vergangenen Sonnabend führt Hentke das Ranking an. Das war vor zwei Jahren ebenso – vor der WM in Kazan. „Das war eine ganz andere Hausnummer“, sagte Trainer Bernd Berkhahn. Damals fuhr Hentke mit deutschem Rekord (2:05,26) nach Russland und wurde Vierte. Diesmal ist sie eine von vier Damen, die schon 2:06 Minuten geschafft haben. „Die Rangliste ist mir egal. In diesem Jahr waren alle noch nicht besonders schnell. Ich glaube auch nicht, dass meine Zeit für eine Medaille reichen wird. Deshalb ist es schwer zu prognostizieren, was in Budapest passiert“, erklärte Hentke.

Nächste Aufgabe: Tempo halten

Berkhahn lässt indes keine Zweifel an der Qualität der Saisonbestleistung seines Schützlings zu. „Die WM-Norm stand bei 2:07,22 Minuten, damit wäre sie bei den Olympischen Spielen in Rio ins Finale eingezogen. Das schwimmt man nicht jeden Tag, auch nicht in einer vermeintlich guten Form.“ In guter Form wähnt der 46-Jährige Hentke, wenngleich es „ihr noch an Frische fehlt, aber ich bin sehr zufrieden“. Und das will er in den nächsten fünf Wochen bis Budapest bleiben.

Hentke steigt dort am 26. Juli zum Vorlauf und Semifinale ins Becken, das Finale ist tags darauf. Es wird ihr einziger Wettkampf bleiben, auf die obligatorische Nebenstrecke 400 Meter Lagen hatte sie bereits in Berlin verzichtet. „Die Norm von 4:36,54 Minuten war für mich völlig unrealistisch. Deshalb hat ein Startverzicht Sinn gemacht“, so Hentke.

Die größte Herausforderung ist es nun, das Tempo bis zur WM zu halten, vielleicht sogar auszubauen. Die Vorbereitung legt Hentke, die vom 6. bis 18. Juli in Heidelberg mit dem deutschen Team trainiert, vertrauensvoll in die Hände ihres Coaches. Zeit will sie jedenfalls nicht verlieren. Bereits am Sonnabend hatte sie Berkhahn mit Blick auf Budapest gefragt: „Wann machen wir mit dem Training weiter?“ Da hatte sie noch nicht mal ihren neunten Titel plus Norm gesichert.