Balatonfüred/Magdeburg l Ihr Trainer Bernd Berkhahn hatte am Nachmittag zwei Stunden totale Ruhe verordnet. Außerdem stand noch ein Sonnenbad und lockeres Ausschwimmen am Pool des Teamhotels „Annabella“ in Balatonfüred auf dem Programm. Zum Abschluss folgte erst die Massage und dann der Sprung ins Bett, wo Finnia Wunram zu nächtlicher Stunde noch einmal träumen durfte, wie sie am Sonntag über die zehn Kilometer im Endspurt den siebten Platz in 2:00:26,1 Stunden absicherte.

Nur war das dann eben kein Traum mehr, sondern die totale Realität bei den Freiwasser-Weltmeisterschaften im Plattensee Balaton (Ungarn). „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen. Ich habe mein Ziel, unter die Top Ten zu kommen, erreicht“, sagte die 21-Jährige vom SC Magdeburg, die gerade in diesem Jahr nach den Rängen vier und neun bei den Weltcups in Abu Dhabi (Emirate) und Setubal (Portugal) und aufgrund ihrer WM-Leistung auch die Medaillenhoffnungen des Deutschen Schwimmverbandes für die Sommerspiele 2020 in Tokio genährt hat.

Wunram ist bei ihrem ersten WM-Start über diese Distanz fast allen Positionskämpfen aus dem Weg gegangen, oder wie Berkhahn resümierte: „Sie ist taktisch klug geschwommen.“ Nach der ersten der vier Runden bei 23 Grad Wassertemperatur lag sie auf Rang zwei, nach der zweiten auf Rang vier, nach der dritten auf Rang elf – mit 16,6 Sekunden Rückstand auf die zwischenzeitlich führende Arianna Bridi (Italien). „Ich hatte einmal den Anschluss etwas verloren“, berichtete die nur 1,64 Meter große Wunram, „aber ich konnte mich wieder ranschwimmen“ – sogar mit Tuchfühlung zu den Medaillenplätzen. „Finnia hat viele Favoriten hinter sich gelassen“, freute sich Berkhahn auch mit Blick auf Olympiasiegerin Sharon van Rouwendaal (Niederlande), die nur 16. wurde. „Sie ist in der Weltspitze angekommen“, betonte der Trainer nicht zum ersten Mal.

Im Balaton konnte allerdings keine Athletin der Französin Aurèlie Muller folgen.Nach einer Tempoverschärfung eingangs der letzten Runde sicherte sich die 27-Jährige Gold in 2:00:13,7 Stunden und verteidigte zugleich ihren Titel von Kasan 2015. Zweite wurde Samantha Arevalo (Ecuador/2:00:17,0) vor Ana Marcela Cunha (Brasilien/2:00:17,2).

Während Wunram bei der WM mit den fünf Kilometern am Mittwoch und dem Teamwettbewerb am Donnerstag zwei weitere Starts absolviert, ist für Marcus Herwig die WM bereits beendet. Am Sonnabend war der 21-Jährige bei seinem Debüt über die fünf Kilometer bester Deutscher. In 55:13,7 Minuten schwamm der Magdeburger auf Platz 26. Es gewann der Franzose Marc-Antoine Olivier (54:31,4), der bei den Spielen in Rio 2016 über die doppelte Distanz Bronze geholt hatte.

„Ich habe einiges eingesteckt“, berichtete Herwig über die Positionskämpfe vor allem an den Bojen. Ein Pflaster auf der rechten Seite seiner Oberlippe zeugte von den Schlägen, die Herwig einstecken musste. „Durch die ganzen Auseinandersetzungen hatte ich nach dem Rennen Kopfschmerzen und auch Kreislaufprobleme. Erst nach den ersten eineinhalb der zwei Runden konnte ich zeigen, was ich kann, aber da war es leider schon zu spät“, sagte er etwas enttäuscht. Auch Herwig hatte sich einen Rang unter den besten Zehn zum Ziel gesetzt. „Ich gehe mit gemischten Gefühlen aus dem Rennen“, leitete Herwig sein Fazit ein: „Einerseits war ich mit dem Resultat nicht zufrieden, andererseits kann ich aus dem Rennen für die Zukunft viel mitnehmen.“