Peking. Londons Olympia-Laune ist bestens. Kaum waren die Peking-Spiele vorbei, schwärmte Fußball-Star David Beckham vom "olympischen Hochgefühl", und Bürgermeister Boris Johnson versprach ein "unvergessliches Fest" in vier Jahren. Angst, nach der organisatorischen Perfektion der chinesischen Gastgeber mit dem Großauftrag Olympia 2012 zu scheitern, hat im Londoner Organisationskomitee LOCOG niemand.

Im Gegenteil: Im Fazit von LOCOG-Chef Sebastian Coe war sogar Kritik an den chinesischen Olympia-Machern versteckt. "Wir sind nicht eingeschüchtert. Wir wussten, dass China erstklassige Sportstätten haben würde", erklärte Coe, dessen Vater während der Spiele starb, "aber groß bedeutet nicht unbedingt besser".

Nach dem britischen Goldrausch in China mit 19 Olympiasiegen war sogar Englands Presse "very amused" und blickte selbstbewusst auf das Jahr 2012. "The Sun" anwortete auf die Frage - Wie werden wir an Pekings spektakuläre Olympische Spiele anknüpfen? - ausgesprochen locker und selbstbewusst: "Spaß ist der Schlüssel ... Nicht, indem wir versuchen, Chinas gnadenlos durchorganisierten, fehlerfrei präsentierten, das Bankkonto sprengenden Exhibitionismus nachzuahmen, so toll das auch anzusehen war. Wir werden auf Spaß setzen - eine Prise britische Exzentrik, ein bisschen Ironie, ein Schuss selbstironischer Humor."

Mehr als 100 britische LOCOG-Angestellte sammelten in Chinas 17-Millionen-Metropole wertvolle Erfahrungen. "Für viele war es das erste Mal bei Olympia. Für viele war es, als ob man seine Kinder sieht, die aufwachen, den Vorhang aufmachen und zum ersten Mal Schnee sehen", erzählte Coe, der ähnlich wie seine Pekinger Kollegen "Olympia für Athleten" ankündigt. Zeitplanänderungen, um TV-Gigant NBC zu befriedigen, lehnt der zweimalige 1500-m-Olympiasieger ab. Das mächtige US-Network hatte in Chinas Hauptstadt durchgesetzt, dass die Finalläufe im Schwimmen bereits am Morgen stattfi nden, zur besten primetime in den USA. "Als ehemaliger Athlet weiß ich, dass ich bei Olympia alles so haben möchte, wie ich es von vielen Wettkämpfen her kenne", meinte Coe.

Der rauschende Erfolg des britischen Teams macht seinen Job zumindest etwas leichter. Englands Premierminister Gordon Brown kämpft zwar um sein politisches Überleben, aber die Unterstützung der Öffentlichkeit und Medien ist nach der goldenen Medaillen-Ernte von Peking groß. Großbritannien war so gut wie seit 100 Jahren nicht mehr. Bei den Spielen 1908 in London hatte der Gastgeber sogar 56 Goldmedaillen geholt. "Für mich geht es darum, möglichst viele wirklich große britische Momente zu schaffen", betonte Coe.

Vancouver kündigte unterdessen als nächster Olympia-Gastgeber der Winterspiele 2010 "deutliche Gegensätze zu Peking" an. Festliche Atmosphäre in der ganzen Stadt und ausgelassene Stimmung in ausverkauften Arenen sind nur zwei Kernpunkte des kanadischen Vorhabens. "Und bei uns sind Proteste erlaubt. Das gehört zu Kanada", sagte John Furong, Chef des Organisationskomitees VANOC. "Wir wollen, dass jeder Einwohner Kanadas das Gefühl hat, er ist Teil unseres Projekts." Goodbye Peking. Hello Vancouver und London. (dpa)