Auf der Abschlussparty im Deutschen Haus war Sabine Spitz so schnell wie auf ihrem Mountainbike. Die Powerfrau hatte es auch bei den Feierlichkeiten nach ihrer grandiosen Goldmedaille eilig, denn gestern Morgen saß sie bereits im Flieger gen Heimat. Auf Sightseeing legte die China-Kritikerin keinen Wert, der Kurztripp ins Reich der Mitte hatte sich mit ihrem Triumph im Mountainbike-Rennen trotzdem vollauf gelohnt.

"Endlich habe ich es geschafft. Darauf habe ich so viele Jahre hingearbeitet. Bei Olympia zu gewinnen, das ist das Größte, der Wahnsinn", meinte die 36-jährige Spitz, nachdem sie im Spätherbst ihrer Karriere doch noch den Weg in den Olymp gefunden und zugleich die etwas dürftige Bilanz der deutschen Radsportler (je einmal Gold, Silber und Bronze) aufpoliert hatte. Nach WM-, EM- und DM-Titeln fehlte Olympiagold noch in ihrer Vitrine, aber genug hat sie noch längst nicht.

"Ich bin immer noch hungrig", sagt Spitz und denkt schon an London 2012: "Nichts ist unmöglich. Solange es Spaß macht, fahre ich weiter. Jeannie Longo hat hier mit 49 Jahren teilgenommen. In London wäre ich erst 40." Mit 22 Jahren sei sie erst zum Mountainbike gekommen, da besteht offensichtlich noch Nachholbedarf.

Je älter, desto besser - auf Spitz trifft das jedenfalls zu. Das Energiebündel aus dem badischen Murg-Niederhof hat ein sensationelles Jahr hingelegt. Im Mai gewann sie den EM-Titel in St. Wendel, es folgten zweite Plätze bei der WM in Val di Sole und der Langstrecken-WM in den Dolomiten. Nebenbei wurde sie zum siebten Mal deutsche Meisterin und eroberte die Führung in der Weltrangliste.

Sagenhafte Erfolge, die gerade im Radsport naturgemäß Zweifel nach sich ziehen. Denen begegnet die Chemielaborantin ganz entschieden. "Eigentlich hätte ich auf dem Podium ein Schild halten müssen mit der Aufschrift, Leistung ist auch ohne Doping möglich", sagte Spitz. Sie hat sich in der Vergangenheit stets als hartnäckige Anti-Doping-Kämpferin gezeigt und auch Konfl ikte innerhalb des Teams mit den berühmten Fumic-Brüdern nicht gescheut.

Spitz spricht Probleme offen an und lässt sich auch beim Thema China den Mund nicht verbieten. "Ich bin prinzipiell gegen die Missachtung der Menschenrechte. Die Spiele hätten nie an China vergeben werden dürfen. Das Land hat für mich zwei Gesichter. Viele Menschen mussten unter diesen Spielen leiden", sagte sie.

Ein Verzicht auf Olympia kam aber nicht in Frage, wie Spitz betont: "Ich bin hergekommen, weil ich das Rennen gewinnen wollte." Und das tat sie mit Bravour. Der 26,7 km lange Wettbewerb über Stock und Stein wurde für Spitz zu einer einzigen Triumphfahrt. Bereits kurz nach dem Start setzte sich die Europameisterin von der Konkurrenz ab, baute den Vorsprung kontinuierlich aus und ließ sich auch von einem kleinen Sturz auf der letzten Runde nicht mehr aus der Bahn werfen.

Damit holte Spitz das erste Gold für eine deutsche Radsportlerin seit Petra Roßner 1992. "Sabine Spitz hat unsere Bilanz vergoldet", sagte BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer. "Mit dem Abschneiden auf der Bahn und im Mountainbike können wir zufrie sein, mit dem auf der Straße nicht."