Mit ihrer zweiten Goldmedaille ist Schwimmerin Britta Steffen seit gestern die neue Galionsfigur der deutschen Olympiamannschaft. Die Volksstimme sprach mit ihr nach dem Triumph.

Volksstimme: Andere beklagen sich über die frühen Startzeiten. Sie scheinen sich in der Morgenstunde pudelwohl zu fühlen.

Britta Steffen: Ja, ich bin eine Frühaufsteherin. Das war schon früher so, da bin ich in den Vorläufen am Morgen meine besten Zeiten geschwommen. Aber ich habe mich auch innerlich auf die Bedingungen in Peking vorbereitet. Doch die Bedingungen sind für alle gleich hier.

Volksstimme: Der neue Sprint-König Usain Bolt hat gestern gesagt, er habe am Tag des Wettkampfes mehrfach Nuggets gegessen. Wie halten Sie das in dieser Beziehung?

Steffen: Jetzt kann ich es ja sagen. Ich habe am Abend vor dem Wettkampf so einen Appetit auf Pizza gehabt, so dass ich mir einfach eine genehmigt habe. Sie sehen, es hat nicht geschadet.

Volksstimme: Sie haben der 41-jährigen US-Amerikanerin Dara Torres um eine Hundertstelsekunde Gold weggeschnappt. Es sah so aus, als sei sie sauer darüber.

Steffen: Nein, nein. Sie musste nur schnell zum Endlauf der Lagenstaffel. Wir haben vorher viel mit ihr gescherzt. Sie hat gesagt, Mädels, Kinderkriegen ist schwerer als 200 Meter Freistil zu schwimmen. Eines steht aber für mich fest: Mit 41 schwimme ich bestimmt nicht mehr.

Volksstimme: Wie soll es überhaupt weitergehen? Denken Sie eventuell sogar an Rücktritt?

Steffen: Ich weiß es noch nicht. Ich mache jetzt erst mal Urlaub. Wohin es geht, weiß sie nicht. Das hat mein Freund gebucht. Ich werde überrascht. Ich werde die Zeit nutzen, und in mich hineinhören. Aber es gibt immer noch Ziele. Sie müssen ja nicht gleich die von Michael Phelps sein. Also, ich nehme mir da Zeit.

Volksstimme: Sie arbeiten mit einer Psychologin zusammen. Was hat Ihnen das gebracht?

Steffen: Bei mir war das immer eine Kopfsache. Immer habe ich mich vor wichtigen Wettkämpfen gefragt: Kannst du das überhaupt ? Sie hat mir beigebracht zu denken: Ich bin leistungsfähig, ich bin Weltklasse, die anderen sind nicht besser als ich.

Volksstimme: Nun sind Sie sogar Doppel-Olympiasiegerin.

Steffen: Die 50 Meter Freistil sind eine klasse Strecke. Du musst dir nur immer wieder im Kopf sagen: weiter, weiter. Die Frequenz erhöhen. Auf meine Endgeschwindigkeit konnte ich sowieso zählen. Kurz, die 50 Meter machen richtig Spaß - und sie tun nicht weh.