Degen-Fechterin Imke Duplitzer hat die bis ins kleinste Detail organisierten Olympischen Spiele in Peking als " optimal geschmacksneutral ", bezeichnet, eine " Hochglanzfassade ", die " überreguliert " sei.

" Es sind zwei Welten, in denen wir leben : Die eine ist die Hochglanz-Olympiawelt, abseits davon gibt es aber eine andere Welt ", sagte die vor den Spielen mit ihrer China-Kritik und dem Aufruf zum TV-Boykott der Eröffnungsfeier in die Schlagzeilen geratene Degen-Fechterin gestern auf einer Pressekonferenz in Peking.

Von ihrer zuvor geäußerten Meinung habe sie sich nicht großartig abgewendet. " Ich habe nichts gegen China, ich habe nur etwas gegen die leger geschätzt eine Million Chinesen, die von diesem System profi tieren ", sagte die 33-J ährige aus Bonn, die zum vierten Mal an Olympischen Spielen teilnimmt und morgen neben Weltmeisterin Britta Heidemann ( Leverkusen ) im Degen-Einzel zu den Medaillenkandidatinnen zählt. Sollte sie tatsächlich Edelmetall gewinnen, würde sie die Medaille aber " nicht wegwerfen ". Eine Protestaktion hat sie nach eigener Aussage nicht im Visier. " Ich plane nichts. Das entscheide ich spontan. Solange die mich nicht provozieren, mache ich das auch nicht unnötig ", sagte sie. Schließlich sei sie als Sportlerin nach Peking gereist, das sie bereits am Freitag wieder verlässt : " Am 13. bin ich Athlet, das sollte man mir zugestehen. "

Dennoch, die Organisation durch die Gastgeber ist ihr zu perfekt. Olympia lebe eigentlich " von der ein oder anderen kleineren Panne, das ist hier ausgemerzt worden. Es ist mir alles zu sehr organisiert ", sagte Duplitzer : " Man hat gar keine Chance, sich zu verlaufen, weil überall Helfer stehen und sagen : This way please. "

So sehe man nur, was man sehen solle. Es gehe ihr bisher bei Olympia aber gut. " Ich werde gut gefüttert ", meinte die Mannschafts-Silbermedaillengewinnerin von Athen 2004. Sie lobte ausdrücklich das olympische Dorf und die Wettkampfstätte.

Ob die Spiele zu einer Öffnung des Landes beitragen können, werde sich erst in zwei, drei Jahren zeigen, " nachdem die Flamme erloschen ist ". Von einer Begegnung mit den Menschen könne aber keine Rede sein, weil Olympia nur einen sehr kleinen Teil des Landes betreffe. " Die Leute auf dem Land bekommen davon doch gar nichts mit ", erklärte Duplitzer, die die Eröffnungsfeier nach eigenen Angaben mit einem guten Buch im Olympiadorf verbrachte und dabei nur ab und zu " vom Feuerwerk gestört " wurde.

Ab sofort soll aber wieder der Sport im Mittelpunkt stehen. Nach der bislang bescheidenen Medaillenausbeute des Deutschen Olympischen Sportbundes sind die Hoffnungen groß, dass Peter Joppich, Benjamin Kleibrink, Britta Heidemann und Duplitzer morgen für einen warmen Medaillenregen in Peking sorgen. " Ich werde alles tun und kämpfen wie ein Blöder, um Gold zu gewinnen ", verspricht der dreimalige Weltmeister Joppich aus Koblenz.

Auch die anderen drei zählen zu den Kandidaten für den Sprung aufs Treppchen, allen voran Weltmeisterin Heidemann aus Leverkusen. " Wir haben gute Chancen ", sagt Sportdirektor Claus Janka vom Deutschen Fechter-Bund ( DFeB ) betont sachlich.