Volksstimme: Zunächst die selbe Frage wie an Ihren Klubkameraden: Schon begriffen, was da am Freitag passiert ist?

Conny Waßmuth: So langsam fängt es an. Man ertappt sich bei dem Gedanken, du bist Olympiasieger. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Aber ich gebe zu, es hört sich immer noch komisch an.

Volksstimme: Zumal bei Ihnen die Gefühlswelt noch mehr als bei Andreas Ihle im Kreis gesprungen sein muss. Bis vorletzten Sonnabend Ersatzfrau, dann plötzlich durch die Erkrankung von Carolin Leonhardt binnen Stunden die Nominierung für den Vierer.

Waßmuth: Irgendwie müssen Andreas und ich seelenverwandt sein. Zunächst wäre fast gar keiner von uns dabei gewesen, dann für beide Gold. Das geht eigentlich gar nicht.

Volksstimme: War deshalb die Freude doppelt groß?

Waßmuth: Eigentlich war sie viermal so groß. Denn Freude über Gold macht im Team, also im Vierer, noch mehr Spaß als allein. Die Mädchen haben mich, als ich auf der ungewohnten Position vier ins Boot kam, prima aufgenommen. Und sie wussten andererseits, dass sie mir vertrauen konnten.

Volksstimme: Sie gehörten in den letzten zwei, drei Jahren zur Stammbesatzung des Vierers. Wie ist das, wenn es plötzlich vor Olympia heißt, du bist raus?

Waßmuth: Es gab ein Ausscheidungsfahren, und da war ich nur Fünfte. Und damit Ersatzfrau. So waren nun einmal die Festlegungen. Das galt natürlich auch für mich.

Volksstimme: Und dann die unerhoffte Chance.

Waßmuth: Ich habe das schon kurz nach dem Rennen gesagt: Als ich von meiner Nominierung erfahren habe, konnte ich mich gar nicht freuen, weil ich wusste, wie Carolin jetzt fühlt.

Volksstimme: Mit Ihrem Erfolg haben Sie die erste Frauen-Goldmedaille für die SCMKanuten gewonnen.

Waßmuth: Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich dabei keine innere Befriedigung fühle. Kanu im SCM, das war doch eigentlich immer Männersache. Deshalb bin ich damals ja unter anderem auch zum Klub gegangen, um das ein klein wenig verändern zu helfen. Und nun sieht es plötzlich so aus, als würde das Pendel in die andere Richtung ausschlagen.

Volksstimme: Lange Zeit musste man damit rechnen, dass im ungünstigsten Fall gar kein SCM-Kanute in Peking startet. Die Paddelfraktion hat deshalb in den letzten Monaten so manchen Hieb abbekommen.

Waßmuth: Ja, erst haben wir nur gehofft, dass überhaupt einer dabei ist. Und dann machen Andreas und ich dort Gold. Vielleicht motivieren ja die Medaillen jetzt neu. Denn im Nachwuchs haben wir im Klub in den zurückliegenden Jahren sicher Versäumnisse zugelassen.

Volksstimme: Mit einer Olympiasiegerin Conny Waßmuth als neuer Führungsfigur kann der SCM aber weiter rechnen?

Waßmuth: Na klar, ich höre doch jetzt nicht auf.

Volksstimme: Hören Sie denn zumindest für diese Saison mit dem Paddeln auf?

Waßmuth: Wir haben noch die deutschen Meisterschaften ...

Volksstimme: Tolles Timing. Aber danach geht es in den Urlaub?

Waßmuth: Ja, der "Club der Besten" wartet. Anschließend fahre ich zwei Wochen zu meiner Mutter nach Italien. Sie lebt dort in der Nähe von Florenz. Das halten wir, da wir uns so selten sehen, seit Jahren so.

Volksstimme: Mit dem kleinen Unterschied, das diesmal die Tochter als Olympiasiegerin kommt.

Waßmuth (lacht): Schön, nicht?