Magdeburgs Vorzeige-Schwimmerin Antje Buschschulte hat gestern vor 18 000 Zuschauern bei ihrer letzten Olympiateilnahme die Qualifi kation für das Finale über 100 Meter Rücken verpasst. In den Katakomben des futuristischen Wasserwürfels sprach Rudi Bartlitz mit der studierten Neurobiologin.

Volksstimme : Der Traum, auf Ihrer Spezialstrecke noch einmal in einem olympischen Endlauf zu stehen, ist gescheitert. Sehr enttäuscht ?

Antje Buschschulte : Natürlich ist es schade. Aber so richtig enttäuscht, nein, das bin ich eigentlich nicht. Ich bin am Montagabend im Vorlauf mit 1 : 00 : 48 Minuten mit 29 Jahren noch einmal die zweitbeste Zeit meiner Laufbahn geschwommen. Ich habe auch in der Freistilstaffel gezeigt, dass man mit mir jederzeit rechnen kann. Ich habe wirklich alles versucht, habe alles gegeben, was ich kann. Deshalb muss ich mir, glaube ich, keine Vorwürfe machen.

Volksstimme : Dennoch waren Sie im Halbfinale fast eine Sekunde langsamer als im Vorlauf. Woran lag ‘ s ?

Buschschulte : Da kommt Mehreres zusammen. Ich habe in der Nacht vor dem Halbfi nale wenig und sehr schlecht geschlafen, weil zwei Menschen, die mir wirklich nahestehen - mein Freund Helge Meeuw und meine Zimmerkameradin Sandra Poewe - nach ihrem Ausscheiden hier bei Olympia sehr, sehr enttäuscht und niedergeschlagen waren. Und zwei Personen zu trösten und dann noch zur selben Zeit den Fokus auf die eigene Vorbereitung zu richten, das war ein bisschen viel.

Volksstimme : Das erklärt vieles, aber sicher noch nicht alles.

Buschschulte : Nein. Mir fehlte zum Beispiel auch jemand, an den ich mich einmal anlehnen konnte. Mein Trainer Bernd Henneberg war ja leider in Peking nicht dabei.

Volksstimme : Und rein sportlich ?

Buschschulte : Sechs Mädchen sind hier bereits im Halbfi nale unter einer Minute geschwommen. Ich hätte neue Bestleistung erreichen müssen, um überhaupt in den Endlauf zu kommen. Die Entwicklung im Schwimmen geht von den Zeiten her in eine Richtung, wo ich mich schon 2007 nach der WM gefragt habe : Ist das noch meine Welt ?

Volksstimme : Und, ist sie das noch ?

Buschschulte : Ich wollte nach der Enttäuschung bei der WM im Vorjahr so nicht abtreten. Das war mein Anspruch. Ich habe alles versucht, Intensitäten trainiert wie kaum zuvor. Ich bin auch in Konditionsfragen noch einmal neue Wege gegangen, habe die Zusammenarbeit mit einem südafrikanischen Konditions-Trainer gesucht. So gesehen, ich wiederhole mich da, habe ich mir nichts vorzuwerfen. Mehr kann ich einfach nicht.

Volksstimme : Nun hat die deutsche Schwimmmannschaft hier in Peking schon einige herbe Rückschläge hinnehmen müssen. Woran liegt das Ihrer Meinung ?

Buschschulte : Auch da kommen mehrere Faktoren zusammen. Für mich am erstaunlichsten war, welch sensationelle Zeiten hier geschwommen werden. Das Leistungsniveau explodiert. Die steigern sich alle noch mal hier. Das haben sich bei uns wohl nicht alle klargemacht, als sie hierherkamen. Und die Jüngeren haben gemerkt, dass Olympia eben doch etwas anderes ist als eine normale Meisterschaft. Bei einigen hat man die Angst regelrecht gespürt.

Volksstimme : Nun beschäftigt das deutsche Schwimmteam allein zwei Psychologen ...

Buschschulte : Da bin ich nun wirklich nicht der richtige Ansprechpartner. Ich habe in meiner langen Laufbahn eigentlich nie mit Psychologen zusammengearbeitet. Also dazu müssen sich andere äußern.

Volksstimme : War das nun definitiv der Abschied der Antje Buschschulte von Olympia ?

Buschschulte : Als Einzelstarterin sicher. Aber wir haben ja noch die Lagenstaffel. Über deren Besetzung ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Doch als einzige Rückenschwimmerin hier, rechne ich mir schon eine Chance aus, dabeizusein ...