Peking. Nach weiteren Totalausfällen und einer Leistungsexplosion der Konkurrenz soll ein energischer " Weckruf " bei Deutschlands gefrusteten Schwimmern für olympische Schadensbegrenzung sorgen. Cheftrainer Örjan Madsen appellierte gestern in der Teambesprechung mit einer " deutlichen und klaren Ansprache an den Ehrgeiz und Stolz ".

" Sie lassen sich die Butter vom Brot nehmen. Sie sollen sich endlich den Mut nehmen, rausgehen und zeigen, was sie können ", klagte Madsen, nach dessen Meinung die Athleten selbst und ihre Heimtrainer die Schuld am größtenteils desolaten Auftreten des DSV tragen. Das Konzept mit der Konzentration auf Höhentrainingslager und harten Wettkämpfen sei nicht konsequent befolgt worden, so der Norweger. " Zu wenige sind meinen Vorstellungen gefolgt. "

Beim Rekord-Festival der Schwimm-Elite – bis zum zweiten Finaltag gab es acht Weltrekorde und acht Europarekorde – hatte die WM-Zweite Annika Lurz die deutsche Pleiten-Serie mit dem Vorlauf-K. o. über 200 Meter Freistil fortgesetzt. Die Leistung der Würzburgerin, die im März 2007 bei der WM in Melbourne noch mit Silber geglänzt hatte, war erschreckend. Auf Rang 22 blieb sie in indiskutablen 1 : 59, 98 Minuten gleich 4, 3 Sekunden über ihrem deutschen Rekord. " Ich habe keine Ahnung, woran es gelegen hat. Ich hatte mich auch nicht unwohl

gefühlt oder Angst wegen der Kulisse ", sagte die 28-J ährige. Neben Lurz schieden auch Petra Dallmann ( 24. ) sowie die 200-m-Lagenschwimmerinnen Katharina Schiller ( 30. ) und Sonja Schöber ( 34. ) im Vorlauf aus.

Immerhin erfüllte Madsens " Musterschüler " Paul Biedermann sein Soll. Der 22-jährige Hallenser schaffte als Fünfter über 200 m Freistil den Sprung ins Finale und freute sich auf das Kräftemessen mit Superstar Michael Phelps. " Ich messe mich gerne in großen Wettkämpfen und habe auch keine Angst, gegen Phelps zu schwimmen ", sagte der nationale Rekordhalter.

Fürs Finale war Antje Buschschulte nicht gut genug. Sie scheiterte im Halbfinale über 100 m Rücken als 15. in schwachen 1 : 01, 15 Minuten. " Ich kann nichts dafür, dass die Weltspitze so weit enteilt ist. Ich habe wirklich alles versucht, habe alles gegeben, was ich kann. Deshalb muss ich mir, glaube ich, keine Vorwürfe machen ", erklärte die Magdeburgerin, die in Athen noch Bronze über die doppelte Distanz geholt hatte, im Volksstimme-Interview. " Um überhaupt ins Finale zu kommen, hätte ich Bestleistung schwimmen müssen. Die Entwicklung im Schwimmen geht in eine Richtung, wo ich mich schon frage : Ist das noch meine Welt ?"

Die Frage ist berechtigt angesichts des sensationellen Weltrekords der US-Boys mit der 4 x-100-m-Freistilstaffel. Das Quartett mit Phelps schwamm 3 : 08, 24 Minuten und pulverisierte die eigene Bestmarke um 3, 99 Sekunden. Madsen nannte es " überirdisch " und eine " neue Sternstunde des Schwimmsports ".