Deutschlands Schwimmer haben zum Olympia-Auftakt beim Rekordfestival der internationalen Konkurrenz ein Desaster erlebt. Die Europarekordhalter und Medaillen-Hoffnungen Helge Meeuw und Sarah Poewe sind baden gegangen, elf Vorlauf-Schlappen, niemand in den Finals - die Deutschen sind im "Wasserwürfel" von Peking nur noch dritte Wahl.

Thomas Rupprath brachte es nach Platz 33 auf den Punkt: "Das hat nichts mehr mit Sport zu tun. Die anderen gehen links und rechts weg." Jetzt sind die Psychologen gefragt. Cheftrainer Örjan Madsen: "Für jeden Einzelnen ist es ein Tief. Wenn wir nicht aufpassen, greift es auf die gesamte Mannschaft über."

Britta Steffen, die am Mittwoch im Einzel-Vorlauf Farbe bekennen muss, war nach Rang fünf mit Meike Freitag, Daniela Götz und Antje Buschschulte über 4 x 100 Meter Freistil traurig: "Jetzt bin ich erstmal leer." Das deutsche Quartett trennten Welten von den siegreichen Niederländerinnen (3:33,76). Dara Torres gewann mit 41 Jahren als älteste Schwimmerin mit den zweitplatzierten USA ihre zehnte olympische Medaille.

Die deutschen Männer kamen gar nicht erst in den Endlauf. Madsen stellte nur fest: "Das sind erschreckende Zeiten der anderen. Das Niveau ist schon jetzt gigantisch."

Ganz schlimm kam es für den DSV am Abend, als unter anderem Meeuw und Rupprath über 100 m Rücken, Poewe über 100 m Brust und auch die 4 x 100-m-Freistilstaffel im Vorlauf scheiterten. Routinier Rupprath zeigte sich zumindest selbstkritisch und fand deutliche Worte. "Das hat nichts mehr mit Leistungssport zu tun. Das war eine Katastrophe und fürchterlich", sagte Rupprath: "Wir müssen uns bei den Leuten entschuldigen, die zugeschaut haben."

Meeuw war nach Rang 19 über 100 m Rücken fassungslos. "Ich glaub’s einfach nicht, ich weiß nicht warum, es tut mir leid", sagte er und machte sich Gedanken über seine Zukunft: "Ich weiß nicht, welche Konsequenzen das nach sich zieht." Sarah Poewe war nach Rang 20 über 100 m Brust nicht weniger ratlos: "Das habe ich mir so nicht vorgestellt." Ihr Europarekord wurde von Mirna Jukic (Österreich / 1:07,06) und Julia Efimowa (Russland / 1:06,08) gleich zweimal unterboten.

Die Liste der weiteren deutschen Vorlauf-Ausfälle war lang : Daniela Samulski (39. / 100 m Schmetterling), Katharina Schiller ( 33. / 400 m Lagen), Christin Zenner ( 42. / 100 m Rücken ), Sonja Schöber ( 36. / 100 m Brust ), Jana Ehmcke ( 25. / 400 m Freistil ), Paul Biedermann (18.) und Christian Kubusch ( 29. ) über 400 m Freistil, Thomas Rupprath ( 33. / 100 m Rücken ).

Lediglich Antje Buschschulte aus Magdeburg über 100 Meter Rücken und der Hallenser Paul Biedermann ( Halle / Saale ), Europameister über 200 Meter Freistil, blieben im Soll und erreichten die Halbfinals. In Biedermanns Spezial-Disziplin überraschte der Schweizer Dominik Meichtry, der in 1:45,80 die beste Zeit erzielte. Weltrekordler Michael Phelps aus den USA hielt sich als Vierter in 1:46,48 zurück. Der Hallenser selbst wurde gestern in 1:47,09 Zehnter und stellte hinterher fest: "Ich habe Glück gehabt, dass ich überhaupt weitergekommen bin, denn ich bin viel zu langsam angegangen. So ein Rennen darf ich mir nicht noch einmal erlauben."

Antje Buschschulte war dagegen zufrieden mit ihrer Vorlauf-Vorstellung und freute sich nach dem Anschlag als Dritte in 1 : 00, 48 Minuten, als hätte sie eine Medaille gewonnen. " Die Zeit sieht im Vergleich zu den anderen vielleicht nicht so toll aus ist immerhin bin ich seit 2003 nicht mehr so schnell gewesen ", so die ehemalige 100-m-R ücken-Weltmeisterin.