Da haben also zwei Magdeburger Kanuten Sachsen-Anhalts olympischen Sport in fast letzter Minute buchstäblich vor dem Ertrinken gerettet. Die beiden Goldmedaillen der SCM-Athleten Conny Waßmuth (im Vierer) und Andreas Ihle (im Kajak-Zweier über 1000 Meter zusammen mit Martin Hollstein vom SC Neubrandenburg) können die magere Bilanz "unserer" Olympioniken allerdings nur kosmetisch verdecken. An der, nach der Zahl der Medaillen gerechnet, schlechtesten Ausbeute seit der Wende ändert sich nichts.

Zum Positiv-Saldo zählt hingegen, zumindest aus SCM-Sicht, dass die Zahl der Goldmedaillen gegenüber 2000 und 2004 ( je eine ) auf zwei aufgestockt wurde.

Dem steht entgegen: Nur dreimal standen Sportler aus Sachsen-Anhalt in Peking auf dem Siegespodest. Neben Waßmuth und Ihle gelang das nur noch Ruderin Manuela Lutze (SCM), die im Doppelvierer Bronze geholt hatte. Doch auch die zweimalige Olympiasiegerin von Sydney und Athen hatte sich, da macht sie kein Hehl daraus, bei ihrem Abschied von den Ringe-Spielen mehr versprochen.

Schon nach einer Woche hatte Lutze übrigens den treffenden Satz gesagt: "Da ist diesmal einfach der Wurm drin." Und damit ausdrücklich nicht nur sich gemeint.

Lassen wir also Zahlen sprechen. Nachdem zunächst 14 Männer und Frauen als Mitglieder des deutschen Peking-Teams berufen worden waren (je sieben vom SCM und vom SV Halle), wurde die Mannschaft in der chinesischen Metropole noch durch die zunächst als Ersatzleute mitgereisten Conny Waßmuth und Marko Neumann (SCM / Rudern) aufgestockt. Also 16 - waren schon mal sechs weniger als noch in Athen 2004.

Von diesen 16 kehren drei mit einer Medaille in die Heimat zurück. Das sind gut 18 Prozent. Noch vor vier Jahren hatten elf von 22 Athen-Fahrern (also satte 50 Prozent) eine Plakette aus dem Ursprungsland Olympias mitgebracht. Ein Abschwung, der schon mehr als einen Nebensatz als Erklärung verlangt.

Ex-Landessportbund-Präsident Heinz Marciniak hatte in den Glanzzeiten der sachsen-anhaltischen Leibesübungen, gefragt oder ungefragt, stets einen Standardsatz zur Hand: Mit ein bisschen mehr als drei Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung, so teilte er jedem stolz mit, sei Sachsen-Anhalt an etwa 20 Prozent der deutschen Olympiamedaillen beteiligt.

Marciniak ist offenbar rechtzeitig zurückgetreten. Mit diesem Satz könnte er im Sommer 2008 jedenfalls nicht mehr durchs Land tingeln.

Zum Positiven beim Peking-Resümee muss man neben den Medaillen auf jeden Fall die sehr respektablen fünften Ränge von Antje Buschschulte (SCM / 4 x 100-m-Freistilstaffel) und Paul Biedermann (SV Halle / 200 m Freistil) zählen.

Das war es dann aber schon. Dahinter beginnt eine Liste der Enttäuschungen. SCM-L äufer Ruwen Faller verpasste mit der Staffel der Viertelmeiler den Sprung ins Finale. Kugelstoßerin Nadine Kleinert (SCM) schaffte dies zwar, belegte aber am Ende nur Rang sieben. Klubkamerad, Ruderer René Bertram, wurde im Doppelvierer Sechster. Beide hatten Medaillen fest im Visier.

Rang sechs gab es auch für Ruderer Christian Schreiber (SV Halle / Doppelvierer). Seine Klubkameradin Katja Dieckow wurde im Wasserspringen 18., Judoka Heide Wollert (gleichfalls SVH) schied vorzeitig aus. Gleiches gilt für die beiden halleschen Achter-Ruderer Philipp Naruhn und Florian Eichner, die mit dem Flaggschiff der deutschen Flotte versenkt wurden.

SCM-Schwimmer Christian Kubusch wurde bei seinem ersten Olympia-Start zunächst ein Opfer seiner Nerven (schied im Vorlauf über 400 m Freistil ebenso aus wie mit der langen Freistil-Staffel), ehe ihn die grassierende Infektionswelle hinraffte.

Richtiggehend tragisch hingegen verlief die vierte Olympia-Teilnahme des halleschen Wasserspringers Andreas Wels. In ausgezeichneter Verfassung, musste er nach einer Verletzung seines Berliner Synchronspring-Partners Tobias Schellenberg tatenlos mit ansehen, wie die Medaillen an andere vergeben wurden.

Eine erste Schlussfolgerung aus dem Peking-Abschneiden liegt sicher auf der Hand: In Sachsen-Anhalts Sport wird man sich - bei aller unterschiedlichen Bewertung und der nötigen Differenzierung - einige ernste Gedanken machen müssen. In Magdeburg, und erst recht wohl in Halle.