Magdeburg. Andreas Ihle hat einen innigen Wunsch : Hand in Hand mit Frau Sandra und den Kindern Collin-Pascal ( 3 Jahre ) und Charis-Philline ( 10 Monate ) durch den Magdeburger Zoo zu schlendern …

Gerade für einen ausgesprochenen Familienmenschen wie dem Weltklassekanuten vom SC Magdeburg kann ein Jahr ziemlich lang werden – besonders aber ein Olympiajahr, denn er rechnet : " Ich bin auch zu normalen Zeiten sehr viel unterwegs. Das ist schon ganz schön heftig. Aber in diesem Jahr waren das noch zwei Wochen mehr. " 2008 war es dem Sportsoldaten lediglich zwei Monate vergönnt, bei Frau und Kindern zu verbringen. Die übrige Zeit nahmen Trainingslager und Wettkampfreisen in Anspruch.

Wichtigstes Kommunikationsmittel bleibt da zumeist nur das Telefon. " Ich versuche, jeden Tag zu erfahren, was zu Hause passiert ", erzählt Andreas Ihle, doch der passionierte Motorradfahrer ( in der Garage steht eine Kawasaki ) sagt auch : " Mein Lebensrhythmus ist für meine Frau ziemlich hart. Ich ziehe den Hut vor ihr, denn für sie ist die Familie ein Full-Time-Job. "

Um ein Haar wäre Ihle schon viel früher bei seiner Familie gewesen. Dann nämlich, wenn der 29-J ährige am 1. Juli mit Martin Hollstein, seinem Neubrandenburger Partner im Zweier-Kajak, im entscheidenden Stechen dem Duo Zahm / Groß unterlegen wäre. " Das hat mich schon genervt ", erinnert sich das 1, 84 m große Muskelpaket, das in dieser Saison bereits mit seinem dritten Partner in die Rennen gegangen ist : Anfangs mit dem Essener Rupert Wagner, dann mit dem Potsdamer Tim Wieskötter, schließlich erneut mit Wagner und als dieser erkrankte und eine planmäßige Olympiavorbereitung in weite Ferne gerückt war, mit eben jenem " Youngster " Martin Hollstein, mit dem Ihle in Peking ein Zimmer teilen wird.

" Unser Ausscheidungsrennen lief sehr gut ", analysiert Ihle nach dem eindeutigen Sieg. " Das war so deutlich nicht unbedingt zu erwarten. " Und jetzt ist nach seiner Ansicht " alles möglich ". Auch deshalb, weil es im Boot eine Umbesetzung gegeben hat. Der Magdeburger fungiert seit Ende Juli nicht mehr als Schlagmann, " das scheint ökonomischer zu sein, weil ich eher ein Ausdauertyp bin. Wir versuchen, mit Ausdauer hinten raus die Geschwindigkeit zu halten und uns sogar noch zu steigern ", erklärt Andreas Ihle.

Zu den Anwärtern auf olympisches Edelmetall zählt Ihle neben dem deutschen die Boote aus Ungarn, Dänemark, Spanien, Schweden, Frankreich und Polen. " Das wird sehr eng. Da kann jeder vorn dabei sein. "

Und nach Olympia ? " Da wird erst mal richtig Urlaub gemacht ", so Ihle, " und dann kümmere ich mich um mein berufl iches Fortkommen. Ich möchte meine Chance nutzen, über den Berufs-Förderungsdienst der Bundeswehr eine neue Berufsausbildung zu absolvieren. "

Und auch seine Frau nimmt nach ihrer Babypause am 5. Oktober wieder ihre Arbeit auf.

Erst Anfang September, Ende August geht’s von Peking aus direkt nach München zu den deutschen Meisterschaften, kann Papa Andreas seine Familie wieder in die Arme schließen. Dann steht dem lange versprochene Zoobesuch nichts mehr im Wege. Bei den Ihles ist in diesen Wochen vieles in Bewegung …