Frage: Herr Vesper, wie beurteilen Sie das Abschneiden der deutschen Olympiamannschaft?

Michael Vesper: Wir sind mit dem sportlichen Ergebnis mehr als zufrieden. Unsere Ziele sind erreicht und der Abwärtstrend gestoppt. Deutschland ist im Medaillenspiegel eins hochgerutscht auf Rang fünf. Diese Position streben wir auch 2012 in London an. Bis dahin sollen Anstrengungen, die für Peking zu spät kamen, stärker durchschlagen.

Frage: Was waren für Sie die Enttäuschungen innerhalb der Mannschaft?

Vesper: Das war die geringe Medaillenausbeute in einigen Sportarten. In der Leichtathletik gab es 47 Goldmedaillen, aber für uns nur einmal Bronze. Wenig erfolgreich waren wir auch im Rudern, Schwimmen, Straßenradsport und Boxen.

Frage: Haben Sie Hoffnung, dass in Deutschland künftig mehr Mittel fließen?

Vesper: Wir brauchen jetzt eine Diskussion, was der Spitzensport der Gesellschaft wirklich wert ist. Zuletzt hatten wir pro Jahr 70 Millionen Euro für die Fachverbände und die Olympiastützpunkte. Bis 2012 werden es jedes Jahr 12 Millionen mehr sein. Aber das reicht nicht. Wir benötigen sicher das Doppelte an Zuwachsrate.

Frage: Ein Problem, das immer deutlicher wird, ist das der Trainer. Wie sehen Sie die Situation?

Vesper: Hier muss sich unbedingt was tun. Das Ausland kauft uns die guten Trainer weg. Bei uns verdienen viele nur 3000 Euro - und das brutto.

Frage: Es gab bei Olympia zwei überragende Athleten, denen viele mit Skepsis begegnen. Hätten Sie Michael Phelps und Usain Bolt gern in der Mannschaft gehabt?

Vesper: Wir dürfen und wollen keinen Generalverdacht aussprechen gegen alle, die vorne sind. Das würde sich auch gegen unsere Sieger richten. Aber natürlich sind wir an erfolgreichen Athleten interessiert. Skepsis habe ich jedoch bei diesen beiden Namen.