Magdeburg. Die Geisterstunde war in der Bördelandhalle längst angebrochen, als sich Robert Stieglitz erst zum Einmarsch in den Ring rüstete. Dennoch, kaum einer der 4000 Zuschauer hatte zu diesem Zeitpunkt die Arena verlassen. Und als die neue Einmarsch-Melodie des Lokalmatadors, das " Magdeburger Lied " (" Ist denn die Elbe immer noch diesselbe ... "), erklang, war die Halle richtig voll da – rhythmisches Klatschen, zum Teil wurde der Text lauthals mitgesungen. Das erinnerte fast schon an beste Ottke-Zeiten ...

Dabei hatte es gerade um diese Melodie vor Kampfbeginn diverse kleine Scharmützel hinter den Kulissen gegeben. Das ZDF, das den Kampfabend live übertrug, bestand partout darauf, dieses Lied nicht zu spielen. Von " Kinderkram " bis " Das ist doch lächerlich " reichten die Kommentare. Mit-Veranstalter Ulf Steinforth wurde am Telefon bedrängt, doch dafür zu sorgen, dass Stieglitz schnell noch eine andere Einmarsch-Melodie wählt : " Nehmt doch AC / DC ... "

Doch der SES-Chef dachte gar nicht daran, irgendetwas zu ändern. Und sollte am Ende recht behalten. " Das war doch genial ", freute sich Vize Dietmar Poszwa vom ausrichtenden Universum-Stall hinterher. " Da war Stimmung, das zeigt eine lokale Verbundenheit, und den Leuten hat es riesig gefallen. "

Auch ansonsten hatte den Leuten gefallen, was da Supermittelgewichtler Stieglitz bei seinem ersten Auftritt als WBO-Weltmeister – den Gürtel hatte er sich im August in Budapest geholt – in der heimischen Halle demonstrierte. Mit einem technischen K. o. bezwang der 28-Jährige den drei Jahre älteren Argentinier Ruben Acosta in der 5. Runde.

Doch zunächst war Acosta im Stile eines wilden Pampa-Stiers losgestürmt, das einem Angst und Bange werden konnte. Mit ungestümen Attacken und weithergeholten rechten und linken Schwingern ( bei denen dem Magdeburger ein Trommelfell riss ) versuchte er, den Deutschen zu beeindrucken. " Da waren schon ein paar Dinger dabei, die, hätten sie getroffen, zu einem K. o. hätten führen können ", meinte Stieglitz-Trainer Torsten Schmitz später.

Doch der Lokalmatador ließ sich vom " wilden " Acosta nicht beeindrucken : " Ich habe mir das erst einmal eine Weile angesehen, ihn mir dann zurechtgestellt und zugeschlagen. " Mit einem Körperhaken, der den Referee zum Abbruch zwang, machte er den Südamerikaner (" Robert hat zu Recht gewonnen. Er ist ein großer Weltmeister ") arbeitsunfähig. Zuvor war Acosta bereits in Runde 3 und 5 angezählt worden.

Der 100 000 Euro, mit der Steinforth erstmals die Fäuste seines Schützlings für diesen Kampf bei Lloyds in London hatte versichern lassen, hätte es da gar nicht bedurft.

Auf jeden Fall hat der Magdeburger Promoter mit seinem Zugpferd 2010 noch eine Menge vor. " Wir werden unseren Titel so oft wie möglich verteidigen. Noch haben wir ja die Gelegenheit, Robert bei Universum-Veranstaltungen im ZDF zu präsentieren. Vielleicht wird schon im Frühjahr die Pflichtverteidigung gegen Universum-Mann Eduard Gutknecht auf dem Programm stehen. "

Trainer Schmitz blickt ein Stück weiter : " Robert hat sich in den letzten drei Jahren blendend entwickelt. Ich würde ihn gern mal gegen einen der ganz Großen des Supermittelgewichts sehen. "

Nur : Die sind fast alle in den nächsten zwei Jahren leider beim Super-Six-Turnier engagiert ...