Großziethen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ließ in der Nacht zum Sonntag Blumen sprechen : Den passender Weise in den Landesfarben Rot-Weiß gehaltenen Strauß drückte der SPD-Politiker (" Ich nehme Anschauungsunterricht, um mich auf den Wahlkampf vorzubereiten ... ") mit Schmackes Profiboxerin Ramona Kühne in die zarte Hand. Die 29-jährige " Landestochter " strahlte bei der SES-Gala im Rampenlicht, war aber " völlig alle ", hatte sie sich doch gerade in Großziethen mit einem harterkämpften Punktsieg ( 96 : 94, 98 : 91, 96 : 93 ) über die Kenianerin Judy Waguthii die vakante Weltmeisterschaft im Superfedergewicht nach Version der WIBF gesichert.

Bis die Lokalmatadorin allerdings den blumigen Lohn ihrer Arbeit " ernten " und den Applaus des heimischen Publikums in vollen Zügen genießen konnte, musste die ungeschlagene Weltmeisterin zehn volle Runden hart arbeiten und auch ein Veilchen am linken Auge einstecken. Die ebenso flink auf den Beinen durch den Ring tanzende Gegnerin machte ihr das Leben schwerer als gedacht. Gleich in der ersten Runde kam die brandenburgische Bademeisterin ins Schwimmen, nachdem sie sich einen Wirkungstreffer der dunkelhäutigen Kenianerin einfing und angezählt wurde. Auch Trainer und Freund Stephan Böstfeisch stand der Schreck ins Gesicht geschrieben : " Ich war wohl genau so überrascht wie Ramona. "

In der 5. Runde dann hatte sich die Favoritin endgültig gefangen. Kühne drückte dem Gefecht ihren Stempel auf, spielte Routine, Kondition und technische Versiertheit voll aus. Am Ende gab es keine Zweifel, der Punktsieg war verdient. " Oh Mann, die erste Runde war ein Weckruf. Aber den habe ich anscheinend gebraucht. Ab der 5. Runde bin ich dann in den Kampf gekommen und ich habe mein Bestes gegeben ", erklärte die frischgebackene Weltmeisterin, die ihren Fehlstart auch mit dem Lampenfieber zu erklären versuchte. " Ich war schon ziemlich nervös, denn zu Hause als Hauptkämpferin zu boxen, das ist schon etwas ganz Besonderes. "

Dass auch Kühne selbst etwas Einmaliges vollbracht hatte, darauf war auch ihr Promoter Ulf Steinforth stolz : " Ramona ist die einzige Boxerin der Welt, die sich von Halbwelter- über das Leichtgewicht in das Superfedergewicht abgespeckt und die WM-Gürtel in allen drei Klassen erkämpft hat. "

Einsame Spitze und weiterhein unerreicht ist auch Supermittelgewichtlerin Natascha Ragosina, die im zweiten WM-Kampf des Abends drei ihrer insgesamt sieben WM-Titel aufs Spiel setzte ( WIBF, GBU und WBC ). Allerdings war die " Zarin ", die sich diesmal gar nicht ladylike, sondern mit cooler Sonnenbrille, Jeansrock und Lackmantel als " Superwoman " in Szene setzte, dabei keinem großen Risiko ausgesetzt. Bereits in der ersten Runde wurde offensichtlich, dass Herausfordererin Iva Weston aus Trinidad & Tobago ihr nicht das Wasser reichen kann. So kam in der 6. Runde, was früher oder später so kommen musste : Weston musste nach einer krachenden Geraden erstmals zu Boden. Die Weltboxerin des Jahres 2008 setzte energisch nach, und nach 1 : 19 Minuten brach der Ringrichter den Kampf ab. " Mein Manager hatte sich mal wieder einen vorzeitigen Sieg gewünscht, und ich hatte mir fest vorgenommen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen ", erklärte die 32-jährige Russin, die im 20. Kampf ihren makellosen Rekord behält und nun nach Höherem ( Gewicht ) strebt. Steinforth : " Wir nehmen als Nächstes einen Titelvereinigungskampf im Halbschwergewicht ins Visier. "

Ehrgeizige Ziele hat auch SES-Profi Lukas Konecny, nachdem er sich mit EBU-Champion Jimmy Colas einen Superweltergewichts-Boxkampf erster Güte lieferte. Nach zwölf hochspannenden Runden hatte Konecny mit 2 : 1 Richterstimmen knapp die Nase vorn und ist " reif für einen WM-Fight ".