Stuttgart ( dpa ). Als sich Box-Weltmeister Felix Sturm nach seinem verdienten Punktsieg über den Uruguayer Noe Gonzalez die bosnische Fahne über die Schultern warf, brodelte die Porsche-Arena in Stuttgart. " Ado, Ado ", riefen die zahlreichen aus dem früheren Jugoslawien stammenden Zuschauer begeistert, für die ihr Held weiterhin Adnan Catic heißt. Den Künstlernamen Felix Sturm, den die Universum Box-Promotion dem in Leverkusen geborenen Sohn bosnischer Einwanderer vor Jahren zwecks besserer Vermarktung verpasst hatte, ignorierten sie hartnäckig. " Ich habe eine riesige Fangemeinde hier. Das hat Spaß gemacht ", sagte der WBA-Weltmeister im Mittelgewicht.

Am einstimmigen Urteil der Punktrichter ( 120 : 108, 118 : 110, 116 : 112 ) gab es nichts zu mäkeln. Der Champion, der seinen Titel erst 63 Tage zuvor vom Spanier Javier Castillejo zurückerobert hatte, war dem mit mächtigen Schwingern schlagenden Gegner deutlich überlegen. Gonzalez schlug und schlug, suchte zwischen Hinterkopf und Gürtellinie verzweifelt ein Ziel, traf aber zumeist nur die Deckung des Weltmeister. s Sturm dagegen demonstrierte die Kunst des Faustfechtens : Seine Schläge waren zwar seltener, jedoch präzise gesetzt und nahezu allesamt Treffer. Damit zermürbte er den in 14 Kämpfen ungeschlagenen Südamerikaner. " Wir haben einen wahren Krieger gegen einen großen Techniker gesehen ", lautete das Fazit von Gonzalez’ Manager Mario Margossian.

Sturm demonstrierte allerdings auch, was er nicht kann oder nicht will : Selbst den völlig entkräfteten Uruguayer, der von den zahlreichen Treffern benommen durch den Ring wankte, konnte der Leverkusener nicht k. o. schlagen. " Sturm ist der technisch beste Mittelgewichtler, aber ihm fehlt der Killerpunch ", sagte Universums Technischer Leiter Nartz.

" Das war Taktik ", verteidigte sich der Weltmeister. " Ich wollte, dass er sich müde schlägt. Das ist super aufgegangen. Früher war ich zu offensiv, jetzt habe ich die Mitte gefunden. " Außerdem sei Gonzalez stärker gewesen, als er das gedacht hätte. " Der hatte schon ein bisschen Dampf in seinen Schwingern ", meinte der frühere Amateur-Europameister und verwies auf sein rot leuchtendes linkes Ohr. Allerdings hätte sich Sturm den Schlägen des Südamerikaners, der vorgab, sich in der fünften Runde die linke Schulter ausgekugelt zu haben, häufi ger entziehen müssen statt stehenzubleiben.

Schon in zwei Monaten muss Sturm erneut in den Ring zur Pfl ichtverteidigung gegen den Amerikaner Randy Griffi n. Doch Manager Klaus-Peter Kohl will die Hatz von Titelkämpfen im Acht-Wochen-Rhythmus unterbrechen. " Wir verhandeln jetzt über einen neuen Termin ", sagte der Universum-Chef. Sturm hofft gar, dass das Duell sechs Wochen später als zunächst von der WBA festgelegt ( 28. August ) stattfinden kann. Zwei Zwölf-Runden-K ämpfe binnen zwei Monaten forderten zweifellos ihren Tribut.

Ihre WM-Titel verteidigten auch Julia Sahin aus Köln und die in Stuttgart lebende Weißrussin Alesia Graf erfolgreich. Sahin bezwang die Amerikanerin Hollie Dunaway im Junior-Fliegengewicht nach WIBF-Version mit 2 : 1 Punktrichterstimmen, Graf gewann gegen die kurzfristig als Ersatz verpflichtete Natascha Guthier aus Karlsruhe durch Technischen K. o. in der dritten Runde.