Heike Kugler hat heute wieder den Hut auf. Als Psychologin und damit erste Ansprechpartnerin und Vertrauensperson vor allem für die Werfer und Stoßer im deutschen Team sowieso. Aber auch in echt - einen riesiggroßen Schlapphut mit breiter Krempe.

" Das war ein ausdrücklicher Wunsch der Athleten. Erstens, weil ich den Hut trug, als Betty Heidler vor zwei Jahren in Osaka Gold holte und er anscheinend Glück bringt ", so die 44-Jährige, die seit 2005 zusammen mit weiteren zwei Kollegen offiziell zum DLV-Team gehört. " Und zweitens trage ich den Hut, weil ich damit auf der Tribüne aus der Masse sofort heraussteche und die Athleten wissen, wo ihre Leute sitzen und ihnen die Daumen drücken ", verrät die Magdeburgerin die kleinen " Psychotricks ", die heute Hammer-Frau Betty Heidler Bärenkräfte verleihen sollen.

Kugler, die seit Jahren beim SCM mit den Athleten zusammenarbeitet und auch für Unternehmen Coachings und Seminare durchführt, will ihre Arbeit und die Wichtigkeit mentaler Stärke im Hochleistungssport nicht unterbewerten, " denn es ist nun mal defi nitiv so, dass jede Handlung zuerst im Kopf abläuft und von dort aus gesteuert wird ". Aber die promovierte Psychologin ist auch weit davon entfernt, ihren Job überzubewerten. " Ob Psychologen, Physiotherapeuten oder Leistungsdiagnostiker - wir sind alle kleine Rädchen, die ineinandergreifen müssen, damit das System Sportler funktioniert. "

Dennoch muss die Rothaarige etwas anders machen als ihre Kollegen, denn es fällt schon auf, dass in den letzten Jahren vor allem die Disziplingruppe Wurf / Stoß die Kastanien aus dem Feuer holte. Und auch in Berlin waren vorwiegend " ihre " Sportler erfolgreich. So konnten bereits Speerwerferin Steffi Nerius ( Gold ) und Kugelstoßer Ralf Bartels ( Bronze ) überzeugen. Und natürlich auch Magdeburgs Vizeweltmeisterin Nadine Kleinert, die " schon seit Ewigkeit " mit Kugler zusammenarbeitet und " auf Heikes Anwesenheit nicht mehr verzichten kann und will ".

Vielleicht ist das Erfolgsgeheimnis ja, dass die Psychologin regelmäßig im Trainingslager mit dabei ist und dort " Speed " parat hat. Ein Gesellschaftsspiel, das sie bei den Werfern eingeführt hat : " Das macht nicht nur Spaß, sondern trainiert nebenbei auch noch das Zusammenwirken der linken und rechten Gehirnhälfte. "

Dass sie offenbar einen Draht zu den Sportlern hat, liegt aber möglicherweise auch daran, dass die schmächtige Frau zuhören kann und so schnell erkannt hat : auch Riesen fühlen sich machmal klein : " Viele denken, so ein großer, dicker Bär mit breiten Schultern und Pranken kennt keine Ängste. Aber auch scheinbar Starke haben schwache Momente. "

Eventuell ist das Kuglersche Erfolgsgeheimnis aber einfach nur, dass die Magdeburgerin, die an sich 30 Tage im Jahr auf Honorarbasis für den Verband tätig ist, dennoch immer und überall für ihre Athleten erreichbar ist. Und sie so nimmt, wie sie sind : " Ich sehe das wie Goethe :, Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können. ‘"