Hohenstein-Ernstthal ( sid ). Wenn sie übereinander reden, sind sie nur " der Bub " und " da Papa ". Doch als Stefan Bradl nach seinem zweiten Platz beim Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring auf alle Vorgaben und Absperrungen pfiff und Papa Helmut in die Arme fiel, war das nicht nur ein rührendes und herzzerreißendes, sondern auch ein symbolisches Bild. Diese beiden halten zusammen. Gegen alle Widerstände. Spätestens am Sonntag haben sie es schon geschafft, einer in Deutschland am Boden liegenden Sportart neues Leben einzuhauchen. Doch Bradl und Bradl haben noch ganz andere Ziele : Der Bub soll Weltmeister werden.

Als Vater Helmut 1991 Vize-Weltmeister in der 250 er-Klasse wurde, war Stefan noch nicht einmal zwei Jahre alt. Er hat den Vater nie live fahren sehen. Nicht an der Strecke und noch nicht einmal im Fernsehen. Dennoch ist er sein großes Vorbild und die größte Motivation in einem. " Ich will mal einen Platz besser sein als der Papa ", sagt Stefan schmunzelnd. Und der Papa gönnt es ihm nicht nur, er traut es ihm auch zu. Der Bub habe schließlich noch bessere Gene als er selbst. Also habe er auch das Zeug zum Weltmeister.

Was er bisher schon erreicht habe, hätten sie zusammen erreicht, sagte Stefan nach seinem besten Karriere-Ergebnis auf dem Sachsenring : " Der Papa hat einen sehr großen Anteil, vielleicht den größten. Und er hat mir den entscheidenden Tipp bei der Reifenwahl gegeben. Deshalb wollte ich nur noch zu ihm. Als ich ihm in die Arme gefallen bin, ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen. "

Frei von Auseinandersetzungen ist die Vater-Sohn-Beziehung nicht. " Manchmal glaube ich ihm nicht, aber man sieht immer wieder, dass er recht hat ", erzählt Stefan, nachdem ihn der Vater von harten statt weichen Reifen überzeugt hatte. " Er ist 18, da bin ich eher Freund als Vater für ihn ", sagt der Senior und ergänzt schmunzelnd : " Manchmal hat er vielleicht sogar ein bisschen zu wenig Respekt. " Dann behakeln sich die beiden auch mal. " Aber es dauert auch nie lange, bis wir uns wieder vertragen ", berichtet Stefan.

Dass die Beziehung seit dem Einstieg des Juniors in die WM noch viel inniger wurde, liegt auch am Verlauf seiner Karriere. Viele kritisierten die Rolle des Vaters. Er mische sich in die Arbeit der Teams ein und lasse den Sohn nicht selbstständig werden. Als Stefan mit 17 zu Albert Puig ins harte spanische Trainingslager wechselt, der Kontakt zum Vater unerwünscht ist und der Sohn sich einsam fühlt, einen Trotzkopf entwickelt und kurzerhand seine Karriere beendet, sehen sich die Kritiker bestätigt. Stefan erhält zudem das Etikett " Weichei ".

Auseinanderdividieren lassen sie sich dennoch nie. Stefan besteht auf die Nähe seines Vaters, der verteidigt seinen Sohn mit Vehemenz. Und sie haben es allen bewiesen. Der Vater hält sich inzwischen mehr im Hintergrund, der Sohn ist sichtlich gereift, und beim deutschen Team Kiefer haben sie ideale Voraussetzungen. Dort fühlt Bradl junior Nestwärme, Bradl senior ist nicht nur geduldet, sondern als wichtigster Ratgeber und Motivator des Sohnes sogar ausdrücklich erwünscht.