Füchtorf - Eine solche Serie von Stürzen und Unfällen ist schier unglaublich. Zweimal fiel Springreiterin Katrin Eckermann beim CHIO in Aachen vom Pferd, beim Nationenpreis und beim Großen Preis - was ihr neben einem Schlüsselbeinbruch unfreiwillige Popularität einbrachte.

Es folgte beim Comeback ein weiterer Reit- und kurz danach noch ein schwerer Autounfall. "Ich hätte tot sein können", sagt Eckermann.

Der große Sport und die Erfolge, im Sommer noch das Wichtigste im Leben der jungen Athletin, stehen derzeit nicht im Vordergrund. "So etwas erleben nicht viele Menschen", sagt Eckermann: "Ich weiß es zu schätzen, dass ich einfach wieder arbeiten darf."

Am rechten Arm "waren fast alle Bänder gerissen, links war das Schlüsselbein gebrochen", fasst die Reiterin die Folgen des Autounfalls grob zusammen. Sie ist glimpflich davongekommen. Auch die Heilung lief besser als gedacht. Die Pause war nur halb so lang wie befürchtet. An diesem Wochenende reitet sie in Offenburg erstmals seit knapp fünf Monaten wieder bei einem internationalen Turnier.

Eckermann war der Shootingstar der Szene. Mit dem Sieg beim Großen Preis von Münster hatte die junge Frau im Sommer 2011 das erste Mal aufhorchen lassen. Spätestens im Mai vergangenen Jahres, nach dem Sieg im Großen Preis von Hamburg, galt sie als Kandidatin für die WM. Und durfte als Test in Aachen in der deutschen Mannschaft reiten.

Spektakulär und während der Live-Übertragung des Fernsehens stürzte Eckermann bei dem traditionsreichen Teamwettbewerb unter Flutlicht. Fast noch aufsehenerregender war, dass sie 19 Stunden später den Preis von Nordrhein-Westfalen gewann. Ehe sie einen weiteren Tag später im Großen Preis erneut vom Pferd fiel und sich dabei auch schwer verletzte. Der Traum von der WM war endgültig geplatzt.

Damit nicht genug, stürzte Eckermann beim Comeback in Paderborn. Zwar passierte nicht viel, doch nur zwei Wochen später folgte bereits der Autounfall. "Katrin hatte ein Jahr, das gibt es nicht oft mit diesen Höhen und Tiefen", sagt Bundestrainer Otto Becker: "Das war extrem."

Eckermann hat einen kompletten Neustart gewagt. Nach knapp vier Jahren verließ die im Herbst Gut Berl bei Münster, wo sie vor allem in der Zeit mit dem ehemaligen Bundestrainer Kurt Gravemeier den Sprung in die Weltspitze geschafft hat. Gemeinsam mit ihrem Freund Christian Glanemann betreibt sie nun einen Turnier- und Ausbildungsstall in Füchtorf. Die U21-Vize-Europameisterin von 2010 arbeitet vor allem mit jungen Pferden.

"Sie ist eine, die immer wieder aufsteht", sagt Heinrich-Hermann Engemann. Der Nachwuchs-Bundestrainer und Gaby Bußmann, die Psychologin des Reitverbandes FN, haben sich gekümmert. "Gaby hat ihr vor allem geholfen, als es ihr schlecht ging", sagt Engemann.

Vieles hat sich verändert. "Andere Dinge sind wichtiger. Ich bin gerade einfach glücklich", sagt Eckermann. "Ich möchte erstmal ein bisschen runterfahren. Ich muss etwas zurückschrauben." Sie will "ohne Stress, ohne Druck" reiten. Bei nationalen Turnieren ist sie im Januar erstmals wieder gegen Konkurrenz geritten. Beim Hallenturnier in Münster belegte sie im Großen Preis sogar Platz zwei. Nun kommt der erste internationale Start.

Die Angst muss Eckermann ausblenden, zumindest im Sattel. Und der Ehrgeiz, irgendwann wieder um einen Platz im WM-Team zu kämpfen, ist der noch da? Ohne zu zögern sagt die 24-Jährige: "Ehrgeiz hat man oder man hat ihn nicht."