Die Schlange an der Bus-Haltestelle ist lang, sehr lang. Alle wollen den Auftritt von Snowboard-Ikone Shaun White sehen, einer der großen Stars dieser Spiele. Reichen die Plätze im Bus? Es ist eine Lotterie. Die olympische Bus-Lotterie von Pyeongchang. Sie wird jeden Tag gespielt, denn als Journalist verbringt man jeden Tag so zwischen einer und drei Stunden in den meist überfüllten Gefährten. Auf dem Weg vom olympischen Dorf in Gangneung am Meer hoch nach Pyeongchang. Oder eben in den Phoenix Snow Park, wo Shaun White seine Kunststücke präsentiert.

Die Erfolgschancen auf einen Platz im Bus sind zweifellos größer als beim 6 aus 49. Einmal drin angekommen, gibt es aber schon die Zusatz-Ziehungen in der Bus-Lotterie. Da ist zunächst Super 6: Sitzt man neben einem übergewichtigen Fotografen mit drei megagroßen Kameras, die einem auf der ganzen Fahrt in die Seite stoßen? Oder doch neben einer hübschen Russin, die über ihre Landsleute berichtet, die hier bei Olympia keine großen Russen sein dürfen? Dann die Glücksspirale: Funktioniert das Internet im Bus oder nicht?

Und schließlich Spiel 77: Das wird auf dem großen Fernsehschirm entschieden, der ganz vorn im Bus hängt. Läuft dort eine koreanische Soap Opera? Ein brutaler Martial-Art-Kampf im Käfig? Oder gar ein Zusammenschnitt von Olympia?

Die Chance auf Letzteres stehen schlecht. Fast so schlecht, wie auf einen Sechser im Lotto …

Lars Becker (48) ist freier Journalist aus München und zum zwölften Mal bei Olympischen Spielen dabei, davon zum sechsten Mal bei Winterspielen. Lieblingssport: Skicross wegen der Action – und weil seine Kinder es auch gern fahren.