Chanty-Mansijsk - Erst legte Benedikt Doll vor, dann zogen Laura Dahlmeier und Franziska Preuß nach: Die deutschen Biathleten haben im vorletzten Saisonrennen in Chanty-Mansijsk erneut groß aufgetrumpft und dem Team drei weitere Podestplätze beschert.

Nachdem Doll in der Verfolgung mit Platz zwei seinen bisher größten Erfolg feierte, lieferten sich die Freundinnen Laura Dahlmeier und Franziska Preuß wenig später auf der Zielgeraden gar einen packenden Schlussspurt. Den entschied Dahlmeier mit 0,2 Sekunden zu ihren Gunsten und sicherte sich den zweiten Platz hinter der Weltcup-Gesamtführenden Darja Domratschewa.

Preuß fiel trotz der knappen Niederlage ihrer Teamkollegin im Ziel mit einem strahlenden Lächeln in die Arme und bejubelte Rang drei. "Wir haben zum Schluss hart gefightet. Cool, dass wir gemeinsam auf dem Podium stehen. Mir wäre es auch wirklich egal gewesen, ob ich Zweite oder Dritte werde. Aber so ist es ein Traum", sagte Dahlmeier in der ARD.

Die Staffel-Weltmeisterinnen legten am Schießstand mit jeweils vier Nulleinlagen den Grundstein für den Erfolg. Für Preuß war es das erste fehlerfreie Schießen in einem Weltcuprennen überhaupt. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal schaffe. Dass es so schnell geht, das ist sensationell", meinte die WM-Zweite im Massenstart, die schon ahnte, dass sie auf der Zielgeraden den Kürzeren zieht: "Im Zielspurt hatte ich noch nie eine Chance gegen Laura. Aber es ist voll cool zusammen auf dem Podium. Einfach Wahnsinn."

Die starke Teamleistung komplettierten Franziska Hildebrand als Elfte, Luise Kummer auf Rang 15 und Vanessa Hinz als 19. Miriam Gössner musste sich nach sechs Fehlern mit Rang 39 zufriedengeben.

Domratschewa feierte trotz eines fast folgenschweren Aussetzers ihren neunten Saisonerfolg und ist im Kampf um den Gesamtweltcup mit Kaisa Mäkäräinen vor dem abschließenden Massenstart nun 32 Punkte vor der Finnin. Beim zweiten Schießen stellte sie sich hin, statt liegend die Scheiben anzuvisieren. Doch Domratschewa bemerkte noch rechtzeitig ihren Fehler und setzte sich trotz einer Strafrunde souverän durch.

Doll wurde von seinem zweiten Podestplatz innerhalb von drei Tagen selbst am meisten überrascht. "Ich bin ein bisschen verwundert, weil ich dachte, das sind nicht meine Strecken. Und auch heute habe ich es nicht erwartet. Ich dachte, ich werde Vierter", berichtete der 25-Jährige. Doch statt neben dem Podium zu stehen, landete der Schwarzwälder hinter dem kanadischen Überraschungssieger Nathan Smith seinen bisher größten Erfolg. Am Donnerstag war er als Sprint-Dritter erstmals aufs Podium gelaufen.

Da, wo Martin Fourcade steht, will Doll auch mal hin - nach ganz oben. Der Franzose schrieb Biathlon-Geschichte und gewann als erster Skijäger zum vierten Mal in Serie den Gesamtweltcup. Dafür reichte ihm hinter seinem ärgsten Verfolger Anton Schipulin aus Russland Rang vier.

Das überzeugende deutsche Mannschaftsergebnis rundeten Daniel Böhm als Fünfter und Arnd Peiffer als Sechster ab. Verfolgungsweltmeister Erik Lesser musste sich diesmal mit Rang 25 begnügen.

In dem spannenden Rennen kämpften Doll und Peiffer bis zum Schluss um den Sieg mit. Doch Doll leistete sich beim finalen Schießen einen Fehler, Peiffer gar zwei. Aber auch Fourcade und Schipulin patzten. "Nach dem letzten Schießen war ich sehr nervös, denn ich habe damit gerechnet, dass mich Martin und Anton einholen. Aber sie kamen nicht", berichtete Doll lächelnd.

Für Simon Schempp ist die Saison vorzeitig beendet. Wegen einer Erkältung verzichtete der Staffel-Weltmeister auf die Verfolgung und den Massenstart.