Winterberg - Es sind die ersten, leisen Schritte an der Kunsteisbahn. Noch ist Skeleton-Cheftrainer Jens Müller noch nicht voll belastbar nach seinem Herzinfarkt und zwei folgenden Operationen.

"Doch seit er da ist, können wir wieder lachen im Team", sagt Deutschlands Chefmechaniker Wolfram Schweizer vor den Weltmeisterschafts-Rennen ab Donnerstag (Männer 1./2. Lauf). Müllers ausstrahlende Ruhe, seine zwischenmenschlichen Qualitäten und nicht zuletzt die Fachkompetenz des Rodel-Olympiasiegers von 1988 - damals vor Georg Hackl - wurden in den letzten Monaten schwer vermisst.

"Ich weiß um die Probleme, die zuletzt auftauchten. Doch ich war zuletzt nicht nah genug dran, um alles objektiv beurteilen zu können", sagte der Thüringer der Deutschen Presse-Agentur, während er schon wieder an der Bahn in klirrender Kälte mit einem Becher Kaffee Fahr-Analysen betreibt.

Nach dem medaillenlosen Abschneiden in Sotschi und den anschließenden Diskussionen um einen Neuanfang mit jungen, sprintfähigen Athleten warf es dem Trainer am 30. Juni, eine Woche vor seinem 49. Geburtstag, voll aus der Bahn. Erst im September wurde er nach seiner zweiten Operation aus dem Krankenhaus entlassen, um eine ausgiebige Rehabilitation zu absolvieren: "Es ist eben nicht wie bei einer Sportverletzung mit einem Arm- oder Beinbruch."

Fast entschuldigend fügte er an: "Ich habe mir den Zeitpunkt des Herzinfarkts nicht ausgesucht. Als es passierte, war ich gerade zu Hause und auf dem Sprung zur Arbeit. Erst dachte ich, ich hätte mir was an der Wirbelsäule eingeklemmt. Ich fühlte mich als hielte ich meine Hand in eine Steckdose. Dann sagte ich zum Arzt: Für einen Herzinfarkt habe ich überhaupt keine Zeit."

Nach einem Kurzbesuch beim Weltcup in Königssee will er beim Jahreshöhepunkt wenigstens einige Hilfestellungen geben. Immerhin ist das Team um Ex-Weltmeisterin Anja Huber-Selbach, die in Winterberg das letzte Rennen ihrer Karriere bestreitet, extrem verjüngt. "Wir erwarten nur Anschlussleistungen", betonte Sportdirektor Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD). "Vor allem die sprintstarken Axel Jungk und Christopher Grotheer sind da auf einem guten Weg", meinte Schwab, der für alle drei Kufensportarten verantwortlich zeichnet.

Doch während die Rodler ihre Goldmedaillen kaum zählen können, die Bobfahrer nach der historischen Pleite in Sotschi zurück in die Erfolgsspur sind, haben es die Skeletonis schwer. "Wir haben nicht so eine breite Basis im Nachwuchsbereich. Deshalb müssen wir starke Trainingsgruppen schaffen, wo sich die Athleten gegenseitig nach oben pushen", verweist der Ilmenauer auf das starke bayerische Rodel-Team namens "Sonnenschein".

Diese Erfahrung hatte Müller Ende der 80er Jahren selbst gemacht. "Wir hießen damals Trainingsgruppe Jäger", erinnerte sich Müller. Neben seinem Olympia-Gold in Calgary gewannen die Thüringer Jörg Hoffmann und Jochen Pietzsch Gold im Doppel vor ihren Vereinskollegen Stefan Krauße und Jan Behrendt. Auf Rang drei landete das bayerische Duo mit dem heutigen BSD-Generalsekretär Thomas Schwab und Wolfgang Staudinger. Ute Oberhoffner aus Ilmenau komplettierte mit Silber den Erfolg der thüringischen Trainingsgruppe.