Cavalese - Das Format der Tour de Ski steht nach neun sehr erfolgreichen Jahren auf dem Prüfstand. "Wir müssen etwas verändern, das ist klar. Zur Jubiläums-Tour muss es auch etwas Besonderes geben", sagt Tour-Erfinder Jürg Capol.

Der Schweizer, der einst mit Langlauflegende Vegard Ulvang aus Norwegen das Konzept für das Mehretappenrennen in einer norwegischen Sauna entwickelte, hat bereits Vorstellungen. "Die halte ich aber noch zurück, muss sie noch mit den jetzt Verantwortlichen besprechen." Doch so einfach lässt sich das Wettkampfformat nicht reformieren, hängt doch auch bei der Tour de Ski viel von Sponsoren und Fernsehproduktionen ab.

Capol, einst als Renndirektor des Weltverbandes FIS für die Entwicklung der Sportart zuständig, leitet mittlerweile die Marketingabteilung der FIS. "Da hat man nicht mehr so einen großen Einfluss", bemerkt der Schweizer. Der Langlauf aber braucht dringend Innovationen. "Es drängen viele spektakuläre neue Sportarten auf den Markt, die uns den Nachwuchs streitig machen. Wir müssen uns wieder etwas einfallen lassen, müssen auch mal völlig unkonventionell denken", erklärt der einstige Bundestrainer Georg Zipfel, der bei der Tour de Ski teilweise als Rennleiter fungiert.

Doch das fällt Athleten wie Funktionären nicht leicht. Beim Sprint in Val Müstair am Dienstag beispielsweise war ein kleiner Sprung eingebaut. Vor allem Norweger, aber auch Deutsche und Schweizer, protestierten gegen diese Neuerung, die nicht mehr als einen "Hupfer" darstellte. Daraufhin wurde die Strecke wieder begradigt.

Wobei die Mehrzahl der Sportler nichts gegen Neuerungen hat. "Ich wäre gern dabei, wenn es etwas Neues gibt", sagt die zweimalige Olympiasiegerin Claudia Nystad, die nach dieser Saison ihre Laufbahn beendet. Ihre Oberwiesenthaler Vereinskollegin Julia Belger, die in Oberstdorf ihre ersten Tour-Etappen lief, freut sich auf die Zukunft. "Andere Sportarten haben es ja vorgemacht und tolle neue Dinge eingeführt. Das kann ich mir bei uns auch vorstellen", sagt die Nachwuchsläuferin.

Der Schweizer Dario Cologna, der am Donnerstag in Toblach alle Chancen einbüßte, zum vierten Mal die Tour zu gewinnen, ist bei diesem Thema zwiegespalten. "Ich weiß nicht so recht, ob die Tour ein anderes Gesicht, andere Orte braucht. Die Vierschanzentournee wird auch seit über einem halben Jahrhundert an den gleichen Orten gesprungen", betont er. Cologna weiß aber auch: "Bei der Tour de France ist auch nicht immer L\'Alpe d\'Huez im Programm."

Mögliche Widerstände von Funktionsträgern sieht Tour-Erfinder Capol gelassen. "Als wir den Tour-Schlussanstieg zur Alpe Cermis damals angesetzt haben, waren auch viele dagegen. Heute gehört er als das Markenzeichen der Tour de Ski ganz selbstverständlich zum Programm. Er gefällt sicher immer noch nicht allen, aber jetzt klagt keiner mehr", betont Capol. Auf seine Vorschläge zur Reformierung der Tour, vor allem aber auf deren Umsetzung, darf man gespannt sein.