Bischofshofen - Wenn Stefan Kraft nicht gerade die Schanzen rockt, sitzt er gerne in der Münchner Allianz Arena. Der neue Skisprung-Star aus Österreich ist großer Bayern-Fan und nutzt jede Gelegenheit, seinen Lieblingen um Landsmann David Alaba nahe zu sein.

"Zum Glück hat mein Onkel Dauerkarten", erzählt der ehemalige Fußball-Stürmer. Seine Leidenschaft für weite Flüge wurde im Alter von acht Jahren geweckt, als er in Bischofshofen erstmals das Tournee-Finale live verfolgte. "Hier ist der Traum, Skispringer zu werden, herangereift", sagt Kraft. Mit Zehn sprang er erstmals von einer Schanze, was Mama Margot damals gar nicht gefiel. "Sie war am Anfang nicht begeistert", berichtet Kraft.

Elf Jahre später gehört die Mama zu den größten Fans ihres Sohnes. "Ich bin megastolz", sagt sie. Herzrasen bekommt sie bei den Sprüngen des 21 Jahre alten Überfliegers nicht mehr. "Ich mache mir keine Sorgen, er springt ja sehr sicher."

Kraft, der im rund 15 Autominuten von Bischofshofen gelegenen Schwarzach aufgewachsen ist, durchlief die österreichische Skisprung-Schule und feierte genau drei Jahre vor dem Tournee-Triumph sein Weltcup-Debüt. Auf seiner Heimschanze reichte es damals nur zu Rang 54. Zwölf Monate später stand er an gleicher Stätte als Dritter erstmals auf dem Podest.

Aus dem Schatten der Stars wie Gregor Schlierenzauer trat er aber erst mit seinem Premierensieg beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf. "In der Vergangenheit haben mich die Leute öfter mit Thomas Diethart verwechselt", erzählt Kraft. Sein Teamkollege war im Vorjahr von Null auf Hundert durchgestartet. "Jetzt sagen die Leute öfter mal zu ihm Krafti", erklärt der Adrenalin-Junkie mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Kraft liebt es, ans Limit zu gehen - ob beim Bungee-Jumping oder als Co-Pilot im Flieger. "Stefan ist ein echter Killertyp und fürchtet sich vor nichts und niemandem", sagt Bundestrainer Werner Schuster über seinen Landsmann. Der beschreibt sich selbst als unbeschwert, lustig und rastlos. "Ich bin sehr fröhlich, ich lache sehr viel, das tut dem Herzen gut", sagt Kraft. "Außerdem bin ich aufgedreht. Wenn ich länger als 24 Stunden in der Wohnung bin, halte ich es nicht mehr aus. Es muss sich was rühren, sonst wird mir langweilig."

Auf Reisen schaut Kraft zum Zeitvertreib gerne TV-Serien oder liefert sich mit seinem Zimmerkollegen Michael Hayböck heiße Kicker-Duelle an der Play-Station. Hayböck ist Fan des FC Barcelona. Das ist allerdings das einzige trennende Element der beiden Freunde. "Wir verstehen uns blendend. Es passt einfach alles, das macht vieles einfacher und unkomplizierter. Es gibt zwischen uns überhaupt keinen Neid", beschreibt Kraft das Verhältnis der beiden Jungstars.

Die neue Popularität genießt Kraft, der bei den Wettkämpfen oft von Freundin Marisa begleitet wird, in vollen Zügen. Und auch finanziell zahlen sich die Erfolge aus. Rund 50 000 Euro hat er in dieser Saison schon im Weltcup verdient, für den Tournee-Triumph gibt es noch mal 20 000 Franken drauf. Wie auf der Schanze hat Kraft auch beim Umgang mit dem Geld einen konkreten Plan: "Ich möchte einen schönen Urlaub machen und für ein Eigenheim sparen."