Falun - Werner Schuster hat die deutschen Skispringer wieder an die Weltspitze geführt. Auf den Lorbeeren ausruhen will sich der 2008 verpflichtete Bundestrainer aber nicht. "Der Weg ist noch nicht zu Ende", sagt Schuster.

Im Land der aufgehenden Sonne herrschte Untergangsstimmung. Man schrieb das Jahr 2007, und die deutschen Skispringer waren bei der Weltmeisterschaft in Sapporo am Tiefpunkt angekommen. Platz acht im Team und Rang 15 für Jörg Ritzerfeld auf der Großschanze bedeuteten eines der schlechtesten Resultate der WM-Geschichte. Es sollte bis heute das letzte Großereignis bleiben, von dem die deutschen Ski-Adler mit leeren Händen heimkehrten.

13 Monate später rang sich die Verbandsspitze zu einem vorzeitigen Personalwechsel auf dem Posten des Bundestrainers durch und holte für den glücklosen Peter Rohwein einen zu diesem Zeitpunkt nur Insidern bekannten jungen Österreicher: Werner Schuster. Es war der Beginn einer Erfolgsstory, die bei den Titelkämpfen in Falun einen weiteren Höhepunkt finden könnte.

Nach Silber für Severin Freund im Einzel auf der Normalschanze und Gold im Mixed soll die WM-Party auf der Großschanze weitergehen. "Wir haben schon einige Niederlagen zusammen erlebt, jetzt aber auch schon einige große Momente. Derzeit haben wir eine tolle Mannschaft. Das schätze ich sehr", sagte Schuster und betonte: "Wir haben hier noch einiges vor."

Der Familienvater aus Mieming nahe Innsbruck hat die deutschen Asse wieder an die Weltspitze geführt und für einen neuen Boom gesorgt. Für den Deutschen Skiverband ist der 45-Jährige ein Glücksfall, denn der Skisprung ist neben Biathlon und Ski alpin das Premiumprodukt. Zu den Heim-Weltcups pilgern wieder Zehntausende, um ihren Lieblingen ganz nahe zu sein. Im Vorjahr fieberten rund zehn Millionen Menschen vor den Fernsehgeräten mit, als das deutsche Quartett im Teamwettbewerb zu Olympia-Gold flog.

Für Schuster war es die vorläufige Krönung seiner akribischen Arbeit. Der redegewandte Coach lebt für den Skisprung und seine Jungs, die ihm bedingungslos vertrauen. Unter seinen Fittichen haben sich Severin Freund, Richard Freitag und Andreas Wellinger zu Topspringern entwickelt. "Werner Schuster hat in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Es ist ihm gelungen, neue Impulse zu setzen und innovative Konzepte auf den Weg zu bringen", lobte DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger schon vor dem Saisonauftakt.

Da hatte Schuster gerade seinen Vertrag bis 2019 verlängert. "Für mich war der DSV immer ein hervorragender Arbeitgeber. Ich konnte mich hier als junger Trainer in einer verantwortungsvollen Position beweisen und austoben und hatte dabei immer die volle Rückendeckung", begründete er im November seine Entscheidung.

Der Silber-Coup von Freund auf der Normalschanze von Falun war ein weiterer Meilenstein, bedeutete er doch die erste WM-Einzelmedaille für die neue Springer-Generation. Die vorerst letzte hatte Martin Schmitt als WM-Zweiter 2009 in Liberec gewonnen. Es waren damals Schusters erste Titelkämpfe als Bundestrainer.

Mittlerweile ist er ein alter Hase. "Ich bin relativ gelassen und gefasst", sagte Schuster in Falun. Das kann er auch sein, denn in den Co-Trainern Tino Haase und Stefan Horngacher weiß er ein starkes Team an seiner Seite. "Ich sehe es als Privileg, in diesem Umfeld zu arbeiten. Ich schätze es sehr, dass ich loyale und kompetente Mitarbeiter habe und wir gemeinsam solche Erfolge feiern können."