Planica - Im Hexenkessel von Planica hat Severin Freund seine erste Chance bei der Jagd nach der Großen Kristallkugel vergeben und muss beim Showdown mit Super-Flieger Peter Prevc nun auf den Sonntag hoffen.

Beim Sieg des Slowenen flog der Weltmeister vor 25 000 Fans als Vierter erstmals seit über einem Monat wieder am Podest vorbei und büßte wichtige Zähler ein. "Die Serie konnte nicht ewig halten", sagte Freund und blickte gelassen auf das Finale furioso voraus: "Noch bin ich vorn. Rechnen bringt nichts. Das blende ich aus."

Vor dem Finale hat Freund, der zuletzt vier Siege in Serie gelandet hatte und am 14. Februar beim Skifliegen in Vikersund letztmals nicht auf dem Podium stand, noch 44 Punkte Vorsprung vor Prevc. Im Falle eines erneuten Erfolges des Herausforderers müsste der Bayer mindestens Dritter werden, um nach Jens Weißflog (1983/84) und Martin Schmitt (1998/1999, 1999/2000) als dritter DSV-Adler den Gesamt-Weltcup zu gewinnen.

"Es wird sehr, sehr spannend", prophezeite Freund ein Herzschlagfinale im Duell mit Prevc, der eine grandiose Flugshow bot. Mit 248,5 und 233 Metern verwies der Slowene seinen Landsmann Jurij Tepes und Vierschanzentourneegewinner Stefan Kraft aus Österreich deutlich auf die Plätze.

Freund lag nach 223 und 230,5 Metern um 30,8 Zähler zurück. "Peter ist extrem stark. Es war klar, dass er keinen Meter nachlassen wird. Es wird schwer, ihn hier zu schlagen. Ich muss einen guten Wettkampf abliefern und stecke nicht auf", erklärte der Team-Olympiasieger.

"Es ist so spannend, wie ich befürchtet habe. Es war klar, dass Prevc auf seiner Schanze zurückschlagen kann. Aber es ist noch nichts passiert. Severin wird besser", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Auch Freund hofft auf eine Steigerung im Laufe des Wochenendes. "Es ist von Sprung zu Sprung vorwärtsgegangen. Morgen will ich noch mehr Freundschaft mit der Schanze schließen", sagte der 26-Jährige mit Blick auf das Team-Springen am Samstag.

Mit einem fantastischen ersten Flug, bei dem der Weltrekord des Norwegers Anders Fannemel von 251,5 Metern wackelte, schockte Prevc die Konkurrenz und verwandelte das Skistadion in ein Tollhaus. "Da hat er eine Granate gezündet. Das war ein grandioser Sprung", lobte selbst Freund seinen Rivalen.

Der Bayer konnte da nicht mithalten, hielt aber Anschluss zu den weiteren Podestplätzen. "Im unteren Abschnitt fehlte ein wenig. Es geht auf das Saisonende zu, das merkt man", meinte er. Im zweiten Durchgang ging es für ihn zwar noch einmal siebeneinhalb Meter weiter, verbessern konnte er sich damit aber nicht mehr. "Die anderen waren sehr stark, das akzeptiere ich."

Die anderen DSV-Springer hatten mit dem Kampf an der Spitze nichts zu tun. Richard Freitag belegte mit 209,5 und 214 Metern den 13. Platz. Oldie Michael Neumayer kam mit 218,5 und 196,5 Metern auf Rang 22. Markus Eisenbichler als 31. und Stephan Leyhe (35.) verpassten den zweiten Durchgang.