Neues Projekt soll alte Häuser retten / Rathaus begrüßt private Vereinsinitiative
Bevor die Abrissbirne kommt: Mit "Wächterhäusern" gegen den Verfall
Von Peter Ließmann

Alte, historisch wertvolle Bausubstanz erhalten ist das Ziel von so genannten " Wächterhäusern ". Was sich hinter diesem Konzept verbirgt und dass das auch eine Möglichkeit für vom Verfall bedrohte Magdeburger Häuser ist, will Linda Behrens den Elbestädtern näher bringen.
Magdeburg. Durch die Internationale Bauausstellung 2010 ( IBA ) macht Magdeburg in Sachen Stadtplanung und -gestaltung einen großen Sprung nach vorn. Da passte ein neues Projekt perfekt ins Bild : " Wächterhäuser " heißt das Konzept, für das sich Linda Behrens, Kabarettistin und " Magdeburger Kind ", jetzt einsetzen will. In Leipzig habe sie die Initiative kennengelernt. " Ich habe mir gedacht, das könnte auch etwas für Magdeburg sein ", sagt Linda Behrens.

" HausHalten " heißt ein Verein in Leipzig. Der Name ist Wortspiel und Programm zugleich. Es geht darum, historisch wertvolle, aber leerstehende Häuser vor dem Verfall zu bewahren, ein " Haus " soll " gehalten " werden. Ein Beispiel für Magdeburg : In der Schönebecker Straße steht ein großes Gründerzeit-Haus. Äußerlich, weil schon lange leerstehend, hat es bereits gelitten, die Bausubstanz ist aber noch in Ordnung. Offensichtlich ist der Eigentümer aber nicht in der Lage, den Bau zu sanieren, das Haus droht, verloren zu gehen. Hier versucht der Verein " HausHalten " gegenzusteuern. " Es werden Menschen gesucht, die in so ein Haus einziehen, es bewohnbar machen, sich für das Gebäude engagieren ", so Linda Behrens. Aber nicht in Form einer Besetzung, sondern im Einvernehmen mit dem Hauseigentümer. " Es wird mit dem Eigentümer eine Kooperation eingegangen. Die Bewohner erhalten die Bausubstanz, dafür wohnen sie dort kostenfrei ", beschreibt Linda Behrens den Grundgedanken. In diesem Konzept sind Wohnungen ebenso möglich, wie das Einrichten von Geschäften, Kultureinrichtungen und vieles mehr. Im Rahmen von klaren vertraglichen Vereinbarungen, wie etwa über Laufzeiten, ist vor allem festgelegt, dass der Eigentümer dieses auch bleibt und sein Gebäude zurückfordern kann. Auf der anderen Seite verpflichten sich die Vereinsmitglieder, das Gebäude auch tatsächlich zu erhalten. " Der Leipziger Verein hat bereits eine ganze Reihe solcher Projekte umgesetzt und verfügt über viele Erfahrungen, wie beispielsweise die entsprechenden Verträge aussehen müssen ", sagt Linda Behrens.
Ziel könne es auch sein, dass die Vereinsmitglieder das Gebäude irgendwann einmal kaufen. Auf jeden Fall werde so ein Gebäude erst einmal gerettet, meint Linda Behrens.
Unterstützung vom Stadtplanungsamt
In Magdeburg gebe es eine ganze Reihe von Häusern, für die dieses Konzept eine Möglichkeit des Erhaltens biete, findet auch Stephan Herrmann, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt. Er habe sich in Leipzig bereits verschiedene " Wächterhäuser " angesehen. " Wir als Stadtplanungsamt stehen dem Konzept positiv gegenüber ", so Herrmann und sagte im konkreten Fall auch die Unterstützung aus dem Rathaus zu. Natürlich nicht in finanzieller Hinsicht, aber man könne beispielsweise bei der Erarbeitung von Nutzungskonzepten helfen oder wenn es um Fragen des Denkmalschutzes gehe. Solche privaten Initiativen könnten vor allem auch helfen, Gebäude, die für das Stadtbild prägend sind, wo es dem Eigentümer aber an Geld oder Ideen zur Sanierung fehle, zu erhalten.
In den kommenden Wochen möchte Linda Behrens versuchen, einen Magdeburger Haus-Halten-Verein auf den Weg zu bringen. Dazu soll am Mittwoch, 26. August, ab 19 Uhr im Kulturzentrum Moritzhof am Moritzplatz eine erste Informationsveranstaltung stattfinden. Auch Stephan Herrmann wird dabei sein und der Vorsitzende des Leipziger HausHalten-Vereins, Fritjof Mothes.
Mitmachen bei einem " Wächterhaus " könne jeder, der Lust habe, sich für ein erhaltungswürdiges Gebäude einzusetzen und natürlich auch bereit sei, selbst Hand anzulegen, sagt Linda Behrens.
Der Leipziger Verein habe übrigens eine Wanderausstellung über das Projekt " Wächterhäuser " zusammengestellt. Diese solle auch so schnell wie möglich in Magdeburg gezeigt werden. " Vielleicht wäre das ja im IBA-Shop in der Regierungsstraße möglich ", meint Linda Behrens. Zur Internationalen Bauausstellung passen würde diese Ausstellung auf jeden Fall.

|
Druckversion
|
|
|

|
Artikel verschicken
|
|
|

|
Leserbrief
|
|
|
[ document info ]
Copyright © Volksstimme.de 2010
Dokument erstellt am 19.08.2009 um 09:17:37 Uhr
Erscheinungsdatum 19.08.2009 | Ausgabe: mdx

|