Matthias Gärtner sollte als Student Vortrag zum Thema " Politische Sprache im Nationalsozialismus " halten
NPD-Stadtrat wird mit Farbe und Reizgas in Uni angegriffen
Von Matthias Fricke

Der Magdeburger NPD-Stadtrat und Student für Politikwissenschaft Matthias Gärtner ist gestern Vormittag auf dem Weg zu einem Seminar im Universitätsgebäude in der Brandenburger Straße von fünf unbekannten vermummten Personen mit Reizgas attackiert und blauer Farbe übergossen worden. Er sollte einen Vortrag zum Thema " Politische Sprache im Nationalsozialismus " halten. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.
Altstadt. Der Politikwissenschaftsstudent und NPD-Stadtrat Matthias Gärtner war gerade auf dem Weg zum Seminar von Dr. Reinhard Wesel " Politische Symbolik, symbolische Politik ", als der 25-Jährige von fünf unbekannten vermummten Personen auf der Treppe des Universitätsgebäudes mit Reizgas und blauer Lackfarbe angegriffen wurde.

Dabei zog sich der junge Mann leichte Verletzungen an den Augen zu, die ambulant behandelt werden konnten. Die Polizei setzte auf der Suche nach den unbekannten flüchtigen Tätern auch einen Fährtenhund ein. Bisher blieb die Suche aber ohne Erfolg. Als Hintergrund der Tat wird der geplante Vortrag des Politikwissenschaftsstudenten selbst vermutet. Er trug den Titel " Politische Sprachkritik : Nationalsozialismus, Rechtsradikalismus, Ausländerpolitik, Umweltpolitik " und sollte im Seminar gehalten werden. Das hatte sich allerdings offensichtlich auch außerhalb der Universität herumgesprochen und wurde auch in einem Internetforum angekündigt. Dementsprechend gut besucht war auch das Seminar, bestätigte gestern Dr. Reinhard Wesel. Er hatte das Thema vor einigen Wochen angeboten und niemand meldete sich für den Vortrag. Nur Matthias Gärtner habe sich bereit erklärt, dazu einen Vortrag zu halten. Dr. Reinhard Wesel, der ursprünglich aus Bayern kommt : " Ich hatte gedacht, dass man sich mit solch einem Thema konstruktiv auseinandersetzen kann. Es ist doch keine Methode, Faschismus zu bekämpfen, wenn man selbst faschistische Methoden anwendet. " Er habe zwar mit einem harten Schlagabtausch in dem Seminar gerechnet, aber eben nicht im wörtlichen Sinn. Obwohl sich schon im Vorfeld einige Unruhe angedeutet habe. So waren mehrere offensichtliche Nichtstudenten im Raum anwesend, die sich bereits Tomaten in den Hinterbänken zurechtgelegt hatten. " Ich war aus akademischer Sicht dennoch sehr gespannt auf die Auseinandersetzung mit dem Vortrag ", sagte der Politikwissenschaftler. Doch in den Seminarraum sei Gärtner gar nicht mehr gekommen. Der Politikwissenschaftler sei enttäuscht und sagte : " Es muss allen klar sein, dass damit mehr Schaden angerichtet wurde, als alles andere. " Matthias Gärtner selber habe er " zwar nicht als brillanten, aber dennoch korrekten Studenten " kennengelernt. Den Inhalt des Gärtner-Vortrages habe der Seminarleiter nicht gekannt. " Herr Gärtner hatte in der vergangenen Woche versucht mich zu erreichen und wollte dies noch mal durchsprechen. Da hatte ich aber keine Zeit ", erklärte Dr. Reinhard Wesel. " Wäre der Bogen bei dem Vortrag gestern überspannt worden, hätte ich ihn selbstverständlich sofort abbrechen lassen. Ansonsten ist es nicht meine Aufgabe, solche politische Gesinnung, die ich nicht teile, vom Studium fernzuhalten. Das kann nur die Universitätsleitung ", sagte Dr. Wesel.
Der Rektor der Otto-von-Guericke-Uni Prof. Klaus Erich Pollmann erklärte dazu gestern, dass es sich hier " um einen rechtswidrigen Gewaltakt und eine Verletzung des akademischen Friedens handelt, die durch nichts zu rechtfertigen sind ". Die Universität verfüge über keine Handhabe, einen Studierenden, der sich auf dem Campus unauffällig und sich außerhalb des Campus gesetzeskonform verhält, zwangsweise zum exmatrikulieren. Gemeinsam mit den Studierenden und den Dozenten wird die Ottovon-Guericke-Universität auch künftig das Verhalten solcher Studierenden sorgfältig beobachten.
Matthias Gärtner war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

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Dokument erstellt am 28.10.2009 um 05:55:03 Uhr
Erscheinungsdatum 28.10.2009 | Ausgabe: mdx

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