Aktuelle Studie zur Situation Homosexueller in deutschen Großstädten
Schwule leben in Magdeburg gefährlicher als woanders
Von Leticia Witte

Magdeburg ( dpa ). Homosexuelle werden in Magdeburg im bundesweiten Vergleich besonders häufig Opfer rechter Gewalt. Das sagte Martin Pfarr, Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbandes Sachsen-Anhalt, am Wochenende in Magdeburg. In einer Studie des Berliner Anti- Gewalt-Projekts Maneo von 2006 und 2007 hätten 30 Prozent der befragten Männer angegeben, schon einmal von Tätern aus dem rechten Spektrum in der Landeshauptstadt attackiert worden zu sein. " Das war der bundesweit höchste Wert bei den Großstädten ", sagte Pfarr. Seiner Einschätzung nach ist die aktuelle Situation vergleichbar.
" Sachsen-Anhalt ist aber keine " No-Go-Area " für Schwule und Lesben "; auch wenn es Orte gibt, an denen sich Paare aus Angst vor Übergriffen nicht als homosexuell zu erkennen geben, wie Pfarr erläuterte.

In den größeren deutschen Städten würden sich Schwule und Lesben weitaus häufiger zu ihrer sexuellen Orientierung offen bekennen als in ländlichen Regionen. Dort führten Homosexuelle in einer Ehe zum Teil noch immer Doppelleben. Nach Pfarrs Schätzungen leben in Sachsen-Anhalt bis zu 150 000 Lesben und Schwule. " Viele ziehen auch weg aus Sachsen-Anhalt und gehen nach Berlin, Hannover und Köln. "
In der Maneo-Studie hätten fast 37 Prozent der befragten Männer gesagt, sie seien in Sachsen-Anhalt bereits Opfer von Bedrohung, Körperverletzung, Belästigung oder Beleidigung geworden.
" Die meisten Übergriffe kommen allerdings gar nicht erst zur Anzeige ", sagte Pfarr. Zum Beispiel habe ein Drittel der Befragten angegeben, eine Körperverletzung nicht angezeigt zu haben. " Das Opfer muss sich bei der Polizei outen " – davor schreckten einige Homosexuelle besonders in überschaubaren ländlichen Gebieten zurück.
Mit einer landesweiten Aktionswoche zum " Christopher Street Day " haben Schwule und Lesben in den vergangenen Tagen bei Diskussionen, Kulturveranstaltungen und Gedenkminuten für schwule NS-Opfer auf ihre Belange aufmerksam gemacht. Im Mittelpunkt stand die Forderung, einen Passus in das Grundgesetz aufzunehmen, wonach niemand wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt werden darf.
Unter der Rufnummer ( 0391 ) 1 92 28 bekommen Homosexuelle, die Opfer von Gewalt geworden sind, Hilfe. www.sachsen-anhalt.lsvd.de

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Dokument erstellt am 24.08.2009 um 06:00:47 Uhr
Erscheinungsdatum 24.08.2009 | Ausgabe: mdx

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