Projekt gegen Rechtsextremismus an Berufsschule
Gemeinsam mit Migranten in "Xenos"
Von Julia Klabuhn

Halle ( ddp ). Mosambik und Israel stehen als Themen an diesem Tag an den Berufsbildenden Schulen " Gutjahr " in Halle auf dem Stundenplan. Aber es geht nicht um Geografie, es geht um Bewusstseinsbildung gegen Rechtsextremismus : Piedoso Manave, in den 80 er Jahren aus Mosambik nach Halle gekommen, berichtet : " In Mosambik gibt es 78 Ethnien, die rund 40 verschiedene Sprachen sprechen. Amtssprache ist Portugiesisch ", sagt Manave. Der Ostafrikaner ist Referent dieses interkulturellen Workshops - die Schüler sollen sich mit den Menschen aus fremden Ländern beschäftigen und sich über mögliche Vorurteile ihre Gedanken machen.
Die Jugendwerkstatt Frohe Zukunft Halle hat in Zusammenarbeit mit der Schule ein Projekt gegen Rechtsextremismus initiiert. " Xenos : Zukunft gewinnen – Perspektiven für das Leben nach der Schule " ist der Titel des Vorhabens und Teil eines Programms, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Europäischen Sozialfonds unterstützt wird. In Halle sind Jugendliche im berufsvorbereitenden Jahr die Zielgruppe des dreijährigen Projektes.

Neun Berufsschüler sitzen Manave an diesem Tag im Halbkreis gegenüber und schauen zunächst noch mäßig interessiert auf die Wand, auf der gerade ein Kartenausschnitt des südöstlichen Afrikas gezeigt wird. Doch dann wird es lebhafter : " Können Sie Portugiesisch ? Sagen Sie doch mal etwas !", sagen die Schüler. Manave überlegt kurz und übersetzt dann den Satz " Ich freue mich, heute hier zu sein ".
Manave ist fast täglich in der Zweigstelle der Gutjahrschule im Stadtteil Heide Nord. Der interkulturelle Workshop, den er gemeinsam mit seiner israelischen Kollegin Yoli Reeb leitet, ist nur ein kleiner Teil seiner Arbeit mit den Schülern.
Xenos-Leiter Ronald Schütz betont die zentralen Aspekte des Projektes : " Wir wollen den Jugendlichen möglichst früh den Kontakt zu anderen Kulturen vermitteln und dadurch einen Einstieg in die rechtsextreme Szene verhindern helfen. " Nebenbei sei es sehr wichtig, den Jugendlichen ein stabiles berufliches und soziales Umfeld zu schaffen. Deshalb unterstützt das Xenos-Team die Schüler bei der Suche nach Praktika und Ausbildungsplätzen.
Betreut werden dabei auch die Unternehmen. " Gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation ist es nicht einfach, ein solches Experiment einzugehen ", sagt Schütz. Trotzdem gebe es inzwischen rund 115 Firmen, mit denen die Xenos-Mitarbeiter in Kontakt stünden. " Wir schaffen Anreize, indem wir den Unternehmen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, die engen Kontakt zu den Jugendlichen und deren Elternhaus halten. Das können andere Arbeitsvermittler so nicht leisten ", erklärt Schütz.
Eng verknüpft sind die Ziele interkulturelles Lernen und Berufsvorbereitung mit Reisen in europäische Nachbarländer, die Teil des Xenos-Projektes sind. Dabei lernten die Schüler zum einen Berufschancen in anderen Ländern kennen. " Zum anderen sollen sie erleben, wie es ist, als Fremder in einem anderen Land zu sein ", so Schütz.
An der Gutjahrschule hat derweil der praktische Teil des Workshops begonnen. Die Jugendlichen spielen die mosambikanische Version des Mühlespiels. Der größere Teil der Gruppe ist mit Eifer dabei, nur wenige bleiben lieber am Rande des Geschehens. " Wir sind bei manchen der Schüler froh, dass sie überhaupt zu den Workshops kommen ", sagt Yoli Reeb. Sie wolle die Jugendlichen nicht verändern, aber ihnen die Möglichkeit geben, auch ihre Sicht, die Sicht von Migranten in Deutschland kennenzulernen. Wenn die Schüler dann mit rechtsextremen Ideologien in Berührung kommen, hätten sie so die Möglichkeit, beide Seiten zu bewerten.
Es gebe auch Schüler in dem Projekt, die sich bereits zur rechten Szene rechneten, sagt Manave. " Im persönlichen Kontakt an der Schule begegnen die uns trotzdem freundlich ", hat er beobachtet. " Aber man weiß nicht, was passieren könnte, wenn man sie draußen auf der Straße trifft. " Als spannend im negativen wie positiven Sinne beschreiben die beiden Projekt-Mitarbeiter ihre Arbeit. " Es macht auch Spaß, Jugendlichen zu begegnen, die man sonst nicht treffen würde. Die man vielleicht selbst manchmal stigmatisiert ", sagt Reeb.
In der täglichen Arbeit stehe aber nicht ihre Herkunft im Vordergrund. " Wir sind Ansprechpartner für alle Sorgen der Schüler. Ich glaube, wir werden vordergründig als Pädagogen wahrgenommen, nicht als Migranten. "

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Dokument erstellt am 27.11.2009 um 05:51:38 Uhr
Erscheinungsdatum 27.11.2009 | Ausgabe: mdx

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