Tierschützer greifen Magdeburger Leibniz-Institut an
Hirnforscher weisen Vorwurf grausamer Tierversuche zurück
Von Philipp Hoffmann

Das Magdeburger Leibniz-Institut für Neurobiologie ( IfN ) hat Darstellungen, wonach es besonders grausame Tierversuche an Affen vornehme, zurückgewiesen. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche hatte einen " Stopp der antiquierten Hirnforschung an Affen " gefordert. IfN-Direktor Henning Scheich geht von einem Missverständnis aus.
Magdeburg. Nach Darstellung der Ärzte gegen Tierversuche werden am Magdeburger Leibniz-Institut Hirnversuche praktiziert, die " dem gleichen Schema folgen wie bereits in den 1970 er Jahren ". Diese Praktik sei " außerordentlich quälerisch ", heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Ärzte kritisieren unter anderem, dass die Köpfe der Affen für Messungen im Gehirn mit sechs Schrauben im Schädelknochen fixiert werden. Dies sei eine zusätzliche, " völlig überflüssige " Belastung für die Tiere. Normalerweise reiche ein auf den Knochen geschraubter Metallbolzen.
IfN-Direktor Scheich verwundern diese Vorwürfe. Am Leibniz-Institut würde im Gegensatz bei Versuchen an Langschwanzmakaken eine selbst erfundene, besonders schonende Methode angewendet. Wie bei orthopädischen Operationen würden Spezialschrauben durch Haut und Muskel in den Knochen gebohrt. Daran werde dann eine Art Helm befestigt, mit dem der Schädel der Affen während der Versuche fixiert werde. Üblich seien vier Schrauben, so Scheich. Mit einer lasse sich ein Schädel nicht fixieren. Bei den Versuchen werden Elektroden zum Messen der Gehirnaktivität durch eine Klappe in der Schädeldecke ins Hirn eingeführt.
Die Ärzte gegen Tierversuche halten dem Institut auch vor, die Affen durch Flüssigkeitsentzug zur Kooperation zu zwingen : " Nur wenn sie tun, was von ihnen verlangt wird, erhalten sie ein paar Tropfen Saft. " In der Tat bekommen die Affen, wenn sie bei den Versuchen bestimmte Tonfolgen erkennen, zur Belohnung etwas zu trinken. Allerdings werde ihnen auch außerhalb der Experimente nicht das Wasser entzogen, so Scheich. Die Ration werde an Versuchstagen lediglich begrenzt.
Der Hirnforscher betont, dass kein Tier zu Versuchen gezwungen werde : " Wenn ein Affe keine Lust mehr hat, hört er einfach auf. " Manchmal hätten die Tiere auch schlechte Laune, dann würden die Versuche verschoben. Ein weiterer Vorwurf der Ärzte lautet, manche Affen müssten " diese Torturen mehr als zehn Jahre ertragen ". Scheich nennt das " absurd ". Jeder der rund 20 Makaken im IfN, die eigens für Experimente gezüchtet werden, müsse nach eineinhalb Jahren gemäß gesetzlicher Vorschrift eingeschläfert werden. Im Übrigen müsse das Institut auch jeden einzelnen Versuch bei der Tierethikkommission in Dessau anmelden. In Deutschland gebe es eines der strengsten Gesetze zu Tierversuchen überhaupt.
Scheich sieht Versuche an Affen insbesondere in der Hirnforschung als unabdingbar an. Wichtige Erkenntnisse über Krankheiten wie Parkinson gingen darauf zurück. Kognitive Funktionen ließen sich ausschließlich bei Affen erforschen, weil deren Gehirne sehr menschenähnlich seien.
Die Ärzte gegen Tierversuche haben ihre Erkenntnisse aus Veröffentlichungen des IfN gewonnen. Scheich erstaunt ein solches Vorgehen : " Die Leute sollten es sich ansehen, wie wir arbeiten. "

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Dokument erstellt am 28.12.2009 um 05:52:34 Uhr
Erscheinungsdatum 28.12.2009 | Ausgabe: mdx

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