Magdeburgs IHK-Präsident Olbricht beklagt auf SPD-Bildungsveranstaltung :
Jeder zweite Lehrling nicht ausbildungsreif
Von Tom Koch

Wernigerode. Sechs Zensuren werden in der Schule gegeben. Auf dem Podium der SPD-" mittendrin " -Veranstaltung
hatten fünf Personen Platz genommen. Vier Schulformen gibt es derzeit in Sachsen-Anhalt. Drei Buchstaben hat das sozialdemokratische Schulmodell ( Allgemeinbildende Oberschule – AOS ). Immerhin zwei Ausrufezeichnen braucht es, um diese Idee zu erklären : " Keinen zurücklassen !" und " Länger gemeinsam lernen !" Doch einen entscheidenden Nachteil hatte die Gesprächsrunde in Wernigerode : Alle sind sich einig, die Schullandschaft müsse dringend verändert werden.

Eine kontroverse Debatte ? Fehlanzeige ! Ob Lehrergewerkschafts-Chef Thomas Lippmann oder Magdeburgs IHKPräsident Klaus Olbricht : Vehement wurde eine Lanze für dringend erforderliche Bildungs-Reformen gebrochen. Lippmann war in der Runde für drastisch-provozierende Thesen zuständig : " Nicht jeder selbst unter besten finnischen Bedingungen – kann ein Abitur machen. Aber es gibt lernbehinderte Schüler, die bei guter Förderung ihr Abi schaffen. "
SPD-Landeschefin Katrin Budde bekannte, sie vermeide in der Bildungsdebatte bewusst den Begriff Reform. Dieser werde im Land stets mit Verschlechterung gleichgesetzt, zudem oft mit Hinweis auf fehlendes Geld. Darum spricht sie " von der Öffnung unserer Schulen ", von " Veränderung ".
Budde kritisierte ihren Koalitionspartner. Während die CDU in Hamburg, Schleswig-Holstein und Thüringen offen für ein gemeinsames Lernen auch nach der vierten Klasse sei, registriere sie bei Sachsen-Anhalts Christdemokraten " eine Art Denkverbot ".
Moderiert von Stephan Dorgerloh ( so wie im Bildungskonvent auch ), hatte Matthias von Saldern die Möglichkeit, als Bildungswissenschaftler die SPD-Forderungen fachlich zu unterstützen. Die OECD ( Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ) habe drei Forderungen an Deutschland, die er ausdrücklich teile : Einführung einer Gesamtschule, mehr inhaltlicher Freiraum für Schulen und Lehrer, spätere Laufbahnempfehlung als in der vierten Klasse. Dass die Hälfte der Mädchen und Jungen, denen frühzeitig ein Gymnasiumsbesuch empfohlen werde, aber acht Jahre später kein Abitur ablege, sei ein deutlicher Beweis dafür, dass das System untauglich sei, so der Lüneburger Professor.
IHK-Präsident Olbricht klagte, 50 Prozent der Lehrlinge sind " nicht ausbildungsreif ". Es sei ein Irrglaube, bei sinkenden Schülerzahlen werde es leichter, trotz schlechter Leistungen eine Lehrstelle zu finden : " Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt schon 1000 unbesetzte Stellen, weil Firmen keine geeigneten Bewerber finden. "

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Dokument erstellt am 05.03.2010 um 05:51:50 Uhr
Erscheinungsdatum 05.03.2010 | Ausgabe: mdx

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