Würzburg l Der landschaftliche Rahmen hätte kaum schöner sein können. Von den Tribünen des Würzburger Stadions waren einige Weinberge zu sehen. Bei Temperaturen um 27 Grad Celsius und bei blauem Himmel ließen es sich die Vögel im angrenzenden Park gutgehen und zwitscherten fröhlich vor sich hin.

Für all das hatten die Spieler des 1. FC Magdeburg beim 1:0 (1:0) in Würzburg aber keinen Blick und kein Gehör. Schließlich war der Druck im zweiten Drittliga-Auftritt nach der Corona-Pause, das wie alle ausstehenden Saisonspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, groß. Nach dem verpatzten Auftakt gegen Kaiserslautern (0:1) und der gefährlichen Nähe zu einem Abstiegsplatz brauchte das Team von Trainer Claus-Dieter Wollitz unbedingt einen Sieg.

Und der FCM hielt diesem Druck stand, verteidigte in einer Partie mit vielen Fouls leidenschaftlich die Führung und rettete sie zum wichtigen Auswärtssieg ins Ziel.

Acht personelle Wechsel

Wollitz überraschte mit einer mutigen Rotation, wechselte gleich auf acht Positionen im Vergleich zum 0:1 gegen Kaiserslautern. Neben Timo Perthel und Rico Preißinger, die nicht im Kader waren, saß zunächst auch das Sturm-Duo Christian Beck/Sören Bertram auf der Bank. Für die beiden Offensivspieler durften Anthony Roczen und Daniel Steininger von Beginn an ran. Für Winter-Neuzugang Steininger war es das FCM-Startelf-Debüt. Einzige Konstante war das zuvor gespielte 3-5-2-System.

Gleich zu Beginn musste der FCM allerdings eine Schrecksekunde überstehen: Luca Pfeiffer kam völlig frei zum Abschluss, schob den Ball aber am Tor der Gäste vorbei (4.). Das hätte eigentlich der Rückstand sein müssen.

Bomheuer verletzt

Danach verflachte die Partie zunächst, die beste Chance hatten aber erneut die Würzburger, als Dominic Baumann in aussichtsreicher Position vorbeirutschte (22.). Kurz danach hätte Kickers-Kapitän Sebastian Schuppan die Gastgeber fast in Führung geköpft (25.). Würzburg hatte ein klares Chancenplus, dem FCM war anzumerken, dass die Startelf nicht eingespielt ist. Zu allem Überfluss krümmte sich nach einer halben Stunde plötzlich Dustin Bomheuer auf dem Rasen. Ohne Fremdeinwirkung verdrehte sich der Abwehrspieler das rechte Knie, musste mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz getragen werden. Für Bomheuer kam Eigengewächs Philipp Harant in die Partie.

Das erste ernsthafte offensive Lebenszeichen des FCM sendete Mario Kvesic mit einem mutigen Weitschuss (36.). Doch diese Chance schien ein Weckruf gewesen zu sein: Nach einer Kvesic-Ecke stieg nämlich Tobias Müller in die Luft und köpfte den Club überraschend in Führung (38.). „Ich wollte eigentlich den Ball für meinen Mitspieler freiblocken und treffe ihn dann glücklich mit der Nase“, sagte der Schütze bei Magenta-TV. „Umso glücklicher bin ich, dass der Ball im Netz gezappelt hat.“

Von der Nase ins Tor

Zu diesem Zeitpunkt war das 1:0 nicht wirklich verdient – den Würzburgern erging es wie dem FCM zuletzt gegen Kaiserslautern, als der Gegner mit der ersten guten Gelegenheit erfolgreich war. Und so sah es auch Müller: „Es war sicher ein wenig Glück dabei, aber wir haben uns auch leidenschaftlich in jeden Zweikampf geschmissen.“ Kurz vor der Halbzeit musste Würzburgs Torhüter Vincent Müller mit Verdacht auf einen Jochbeinbruch ausgewechselt werden – für ihn ging Ersatzkeeper Eric Verstappen zwischen die Pfosten (43.).

In der Nachspielzeit reklamierten die Magdeburger ein Handspiel im Strafraum von Würzburgs Verteidiger Sebastian Schuppan. Schiedsrichter Tobias Fritsch ließ aber weiterspielen – eine umstrittene Entscheidung.

Wollitz: "Nur ein Anfang"

Nach der Pause ging es hin und her: Für die Gäste hatte Kvesic eine gute Chance (53.), auf der Gegenseite vergab Baumann (56.). Würzburg hatte jetzt deutlich mehr Ballbesitz, der FCM setzte auf Konter. Bei einer dieser Gelegenheiten war es der auffällige Kvesic, der an Verstappen scheiterte (63.).

Wollitz reagierte, brachte die zuvor geschonten Christian Beck und Sirlord Conteh für die wirkungslosen Anthony Roczen und Daniel Steininger (69.). Die Gäste verteidigten bis zum Schlusspfiff den knappen Vorsprung gegen anrennende Würzburger, bei denen Pfeiffer in der 90. Minute noch an den Pfosten und Schuppan in der letzten Minute der Nachspielzeit neben das Tor köpften. Pfeiffer trauerte den vergebenen Möglichkeiten entsprechend hinterher: „Wir hatten die klareren Möglichkeiten. Aber uns hat heute die Kaltschnäuzigkeit gefehlt.“ Wollitz meinte: „Wir haben uns dafür belohnt, dass wir eine Mannschaft sind. Das war es vor Corona nicht. Aber heute war es nur ein Anfang.“

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