Volksstimme: Nils Butzen, Sie sind zwar erst 24 Jahre alt, gehören aber seit sechs Jahren zur Männermannschaft und sind inzwischen sogar dienstältester FCM-Profi. Ist Magdeburg Ihre sportliche Heimat geworden?

Nils Butzen: Ja. Wenn ich hier mal weg müsste, wäre das sicher nicht so einfach. Gerade nach so vielen Jahren. Aber ich bin froh, dass ich schon so lange hier bin. Das ist im modernen Fußball mittlerweile eine Seltenheit. Es hätte natürlich auch anders laufen können: In dem Jahr unter Trainer Andreas Petersen (Anm. d. Red.: 2013/14 nur ein Spiel) war ich nicht zufrieden hier. Es geht ja darum, dass man Fußball spielt und nicht auf der Bank sitzt und zuguckt.

Als Sie 2009 nach Magdeburg kamen und 2011 zu den Männern aufrückten, steckte Magdeburg als graue Maus im unterklassigen Fußball fest. Hätten Sie es damals für möglich gehalten, hier den Weg als Profi zu gehen?

Irgendwann hatte ich für mich beschlossen: Ich werde mal Fußball-Profi. Das war immer mein Traum. Früher habe ich mir das einfach vorgestellt. Aber so einfach ist es nicht. Wir haben so viele gute Fußballer, die von Jahr zu Jahr immer mehr werden. Es ist heute auch noch schwerer, Fußball-Profi zu werden, als vor zehn Jahren. Ich habe mich von Anfang an in Magdeburg wohlgefühlt. Und dann ging es Schritt für Schritt.

Unter Trainer Jens Härtel haben Sie eine rasante Entwicklung hingelegt, haben seitdem nur acht Drittliga-Spiele wegen Sperren und eines Nasenbeinbruchs verpasst. Mussten Sie sich Ihr Standing hart erarbeiten?

Ich musste mir mein Standing noch härter erarbeiten als viele andere. Ich bin nicht so der Spieler, der durch besondere Aktionen auffällt. Gerade mein Spieler-Typ bekommt nicht die Anerkennung, die er verdient hätte. Aber so ist das Geschäft. Die Spieler, die Tore erzielen, werden nun mal ganz anders wahrgenommen.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe irgendwann verstanden, dass man nicht nur zum Training fährt, auf den Platz läuft und wieder nach Hause fährt. Es gehört zum Beispiel Trainingsvor- und -nachbereitung dazu. Das haben mir viele andere Spieler vorgemacht. Dehnen, Stabilisationsübungen, mal länger auf dem Platz bleiben. Natürlich hat mir etwas geholfen, dass ich unter Trainer Jens Härtel die Spielphilosophie relativ schnell verinnerlicht und umgesetzt habe. In den Spielen habe ich dann auch ein gewisses Selbstverständnis entwickelt. Das geht dort natürlich besser als im Training oder in Kurzeinsätzen. Es war ein Zusammenspiel – es ist mir aber nie zugeflogen. Ich habe viel dafür gemacht.

Woran müssen Sie arbeiten?

Ich werde nie ein Spieler sein, der extrem viele Scorer-Punkte sammelt. Trotzdem würde ich schon gerne mal ein Tor machen oder Tore vorbereiten. Aber ich kann das nicht erzwingen. Ich bin von Hause nun mal Verteidiger – auch wenn ich auf einer Position spiele, die von der Ausrichtung wesentlich offensiver ist.

Es gab mehrfach das Gerücht, Sie könnten zu Zweitligist Eintracht Braunschweig wechseln. Was ist dran?

Als das Gerücht mit Braunschweig erstmals aufkam, hatte ich noch eineinhalb Jahre Vertrag beim FCM. Ein direkter Kontakt ist nie zustande gekommen. Ich musste deshalb nie ernsthaft über die Eintracht nachdenken.

Die 2. Bundesliga ist aber sicher das sportliche Ziel, oder?

Auf jeden Fall, mein Ziel hat sich nicht verändert. Die beste Möglichkeit wäre natürlich, mit dem 1. FC Magdeburg aufzusteigen. Was könnte es Besseres geben? Anderswo wäre ich wieder ein Niemand und müsste mir alles neu erarbeiten. Das wäre nicht so einfach. Hier habe ich ein Standing.

Ist der Schritt mit dem FCM in die 2. Bundesliga in dieser Runde realistisch? Ist die Mannschaft besser als in der vergangenen Saison?

Ich denke schon. Wir haben nochmals an Qualität zugelegt. Die Frage ist: Können wir diese Qualität dauerhaft und konstant abrufen. Wenn das klappt, haben wir einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Am Ende ist aber nicht immer die Qualität ausschlaggebend, sondern die Mentalität. Bei uns passt im Moment beides – das müssen wir beibehalten.

Sind Sie stolz auf Ihre Entwicklung mit und beim FCM?

Ja, ich bin verdammt stolz darauf. Es gibt viele, die mir diesen Weg nicht zugetraut haben. Das weiß ich. Und ich denke, ich habe auch meinen Anteil daran, dass es so ist in Magdeburg, wie es ist.

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