Magdeburg/Berlin l Mit Spannung warteten viele Fußballfans am Donnerstag auf die Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schließlich ging es darum, ob die Politik trotz der Corona-Krise grünes Licht für Geisterspiele in den Bundesligen und in der 3. Liga gibt. Am Ende blieb die Kernfrage noch offen, ob und wie es weitergeht. Die Politiker kündigten eine Entscheidung für Mittwoch an.

Politik sehr kritisch

Klar ist: Einige Städte stehen einem Drittliga-Restart sehr kritisch gegenüber. So hatten sich zuletzt Magdeburg, Jena und Halle gegen Geisterspiele ausgesprochen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper sprach davon, dass das „wirtschaftlicher Wahnsinn“ sei. Er schloss Geisterspiele in der MDCC-Arena momentan aus. Sein Amtskollege aus Halle, Bernd Wiegand, verbot solche Partien sogar.

Neben Trümper setzt sich Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht für einen Saisonabbruch ein – aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen.

Knappe Mehrheit für Fortsetzung wackelt

Und so langsam läuft dem DFB die Zeit davon. Beim Drittliga-Meinungsbild am vergangenen Montag stellten mehrere Vereine nämlich klar, dass ihre Zustimmung nur dann sicher ist, wenn die Saison bis zum 30. Juni beendet werden sollte. Dieses Datum ist deshalb so brisant, weil dann viele Spielerverträge auslaufen. Zehn Vereine hatten sich beim Meinungsbild für eine Fortsetzung ausgesprochen. Acht, unter anderem der 1. FC Magdeburg, wollen die Saison hingegen abbrechen. Zwei Vereine, Kaiserslautern und Meppen, enthielten sich.

Doch durch die Verlängerung des Kontaktverbots und die damit verbundenen Einschränkungen ist der 30. Juni kaum noch zu halten. Und dadurch dürfte die ohnehin fragile Mehrheit der Befürworter einer Saison-Fortsetzung bedenklich wackeln.

Rückkehr ins Teamtraining unklar

Wegen des Kontaktverbotes ist nämlich auch eine Rückkehr ins reguläre Mannschaftstraining wohl frühestens ab 11. Mai möglich. Da sich aber die Vereine auf zwei bis drei Wochen Vorbereitung mit Mannschaftstraining berufen, könnte die Saison frühestens Ende Mai, Anfang Juni fortgesetzt werden. Elf Spieltage bis Ende Juni zu realisieren, ist allerdings nahezu ausgeschlossen.

Der 1. FC Magdeburg bleibt unterdessen bei seiner bekannten Einstellung. „Erst dann, wenn die Behörden Training erlauben, wird der Club auf den Rasen zurückkehren“, betont FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik.

Zwölf Vereine trainieren in Kleingruppen

In diesem Punkt ist die 3. Liga allerdings uneinig: 13 Vereine trainieren teilweise seit vielen Wochen mit einer Sondergenehmigung zumindest in Kleingruppen. Zuletzt stiegen der KFC Uerdingen und der Chemnitzer FC ein. Allerdings ist von einigen Drittligaspielern zu hören, dass die Einheiten in Kleingruppen keinesfalls vergleichbar sind mit üblichem Mannschaftstraining.

Kein Wunder: Schließlich dürfen keine Zweikämpfe geführt werden, Spielformen sind sowieso nicht möglich, da nur vereinzelt Spieler auf dem Rasen sind.

Um die seit Wochen offenen Fragen zur momentan ausgesetzten Saison endlich zu klären, hat der DFB am Donnerstag bekanntgegeben, dass am 25. Mai um 13 Uhr ein außerordentliche Bundestag stattfinden wird – dank des Abmilderungsgesetzes unbürokratisch und digital.

262 Delegierte beim Bundestag

Dort sollen die 262 stimmberechtigten Delegierten über eine Saison-Fortsetzung beziehungsweise einen Abbruch entscheiden. Der DFB-Bundestag setzt sich zusammen aus den Delegierten der DFB-Landes- und -Regionalverbände sowie der Deutschen Fußball Liga (DFL), den Mitgliedern aus DFB-Präsidium und -Vorstand, den Ehrenmitgliedern sowie den Mitgliedern der Rechtsorgane, der Ausschüsse und der Ethik-Kommission.

Auch Fragen zum Auf- und Abstieg und die gegebenenfalls notwendigen Änderungen der Statuten sollen am 25. Mai geklärt werden. Ob bereits vor diesem Bundestag in der 3. Liga gespielt werden könnte, hängt hingegen maßgeblich von der Entscheidung der Politik am kommenden Mittwoch ab.

Klar ist: Die Bundesregierung hob am Donnerstag noch mal hervor, dass in den kommenden Monaten keine Spiele mit Zuschauern stattfinden werden. Großveranstaltungen, somit auch Fußballspiele, sind mit Publikum bis zum 31. August verboten.

740.000 Euro Verlust für FCM

Der 3. Liga würden Geisterspiele somit nur erspart bleiben, wenn die Saison jetzt abgebrochen werden würde. Mario Kallnik rechnet vor, wie hoch der Verlust des FCM durch Geisterspiele sein würde: „Nach aktuellen Berechnungen würden wir ganz konkret 740.000 Euro draufzahlen, wenn die Saison mit Geisterspielen fortgesetzt werden sollte. Und da sind viele weitere Kosten, die durch die gesundheitlichen Anforderungen entstehen, noch gar nicht eingerechnet.“

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