Magdeburg/Berlin l In 192 Bundesligaspielen gab Maik Franz immer alles und war als Abwehrspieler ein Schrecken jedes Stürmers. Seine Einstellung hat der Leiter der Lizenzspielerabteilung des 1. FC Magdeburg auch im feinen Anzug nicht verloren. Knapp fünf Stunden lang kämpfte er am Dienstag vor dem Berliner Landgericht um Recht und vor allem Gerechtigkeit. Unterm Strich geht es um 600.000 Euro Schadenersatz, die Franz von seinem ehemaligen Steuerberater Thorsten Manske fordert. Franz behauptet, dass der Berliner Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht ihn 2008 geraten habe, in vier Projekte zu investieren, durch die er aber viel Geld verloren habe. Manske widerspricht, will Franz nur den steuerlichen Aspekt aufgezeigt und an einen Finanzmakler vermittelt haben.

Franz verriet, dass er schon von 2002 an Investments getätigt hat. Meistens ging es um Schiffsfonds. Mal zeichnete er für 100.000 Euro, später für 350.000 Euro. Und für 2009 gab er bei seinen Ausführungen vor Gericht sogar eine Investition von 750.000 Euro an. Franz: „Ohne grünes Licht von Thorsten Manske habe ich aber nie gezeichnet. Wir hatten ein Vertrauensverhältnis." Als Mannschaftssportler für Franz ein enorm hohes Gut! Und genau da hat ihn Manske menschlich komplett enttäuscht. Franz erfuhr 2014 davon, dass Manske Provisionen für die Vermittlungen an den Finanzberater erhielt.

Vergleich kommt nicht zustande

Zurückziehen war nie das Ding des Profis Maik Franz. Aufgeben schon gar nicht. Doch vor Gericht zählen in erster Linie Fakten. Und weil er bisher keine Beratungsprotokolle oder andere klare Beweise für die Investment-Beratung durch Manske vorlegen konnte, sind sich die Prozessbeobachter einig, dass der von Richter Stefan Dedner angedachte Vergleich für die Kläger-Partei wohl besser gewesen wäre. Doch Franz lässt sich bei diesem Prozess nicht von irgendeinem Deal, sondern von seinem Herz und Gerechtigkeitssinn leiten. „Mir geht es nicht um eine bestimmte Summe. Ich möchte ein Urteil, damit der Vertrauensbruch dokumentiert wird", so Franz.

Ein Vergleich, mit dem beide Seiten ihr Gesicht wahren können, scheint damit ausgeschlossen. Deshalb soll es in drei bis vier Wochen einen weiteren Termin oder gleich eine Urteilsverkündung geben. Aber egal, wie die ausfällt, dürfte jetzt schon klar sein, dass es in die nächste Instanz gehen wird. Franz-Anwalt Peter-Michael Diestel kündigte ja schon nach dem geplatzten Gütetermin Anfang Februar gegenüber dem „Spiegel" an, dass dieser Prozess nur der Anfang sei. Diestel: "Die Profis wurden geschlachtet wie eine Weihnachtsgans. Das wird noch eine ganze Kette von Verfahren auslösen."

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