Magdeburg l Christian Beck musste lachen. Auf die Frage, ob das 6:2 am Sonnabend gegen Jena für den 1. FC Magdeburg ein Bautzen-Effekt sein könnte, wusste er sofort, worum es geht. Schließlich gibt es einige Parallelen, als der FCM in der Aufstiegssaison 2014/15 6:0 bei Budissa Bautzen gewann. Eine davon: Der Kapitän war in beiden Spielen mittendrin, erzielte gegen Jena und in Bautzen jeweils zwei Tore.

FCM damals mit dem Rücken zur Wand

Es war am 25. Oktober 2014: Der FCM stand in der Regionalliga Nordost sportlich mit dem Rücken zur Wand. Ambitioniert startete der damals neu verpflichtete Trainer Jens Härtel, hatte aber in den ersten Wochen große Probleme. Zwischen Team und Trainer schien es noch nicht so richtig zu passen. Der Club verlor deshalb unter anderem bei Germania Halberstadt (2:4), beim Berliner AK und VfB Auerbach (jeweils 1:2). Vor dem 11. Spieltag, als die Partie bei Budissa Bautzen anstand, belegte der Club mit elf Punkten und 15:16-Toren nur den zwölften Tabellenplatz.

Die Ausgangslage war damals so ähnlich wie jetzt: Team und Trainer waren angeschlagen. Doch an diesem Oktobertag zeigte die Mannschaft eine völlig unerwartete Reaktion, gewann 6:0. Es sollte der höchste Saisonsieg sein und der Auftakt einer sensationellen Aufholjagd. Bis zum Sommer kassierte der Club nur noch eine Niederlage, stürmte ansonsten wochenlang von Sieg zu Sieg und stieg in der Relegation gegen Offenbach schließlich in die 3. Liga auf.

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So gerne sich Beck an das Bautzen-Spiel und die Aufholjagd erinnert, er sagt auch: „Ein solcher Effekt wäre schön. Diesmal ist es dafür aber vielleicht etwas zu spät in der Saison.“

Parallelen zwischen Härtel und Wollitz

Sicherlich wäre nach dem ersten Sieg 2020 die Erwartung eines Durchmarschs bis in die 2. Bundesliga vermessen – aber trotzdem: Wie damals soll auch jetzt der klare Sieg ein positives Zeichen für die zuvor gehemmte Mannschaft sein.

Auch in Bezug auf die Trainer gibt es einige Parallelen zur Saison 2014/15. Wie damals Härtel hatte auch Claus-Dieter Wollitz nach seinem Amtsantritt im vergangenen Januar betont, dass er eine Entwicklung anschieben möchte, die aber nicht sofort sichtbar sein könnte. „Ich bekomme das hin, brauche dafür aber etwas Zeit“, sagte Wollitz.

Trotz guter spielerischer Ansätze bei der Premiere gegen Zwickau ging diese Partie am Ende mit 1:2 verloren. Es folgten Wochen voller Hoffnung, Erfolgen lief die Mannschaft aber hinterher. Vor dem Jena-Spiel war der Druck deshalb hoch, der Abstand auf einen Abstiegsplatz betrug nur einen Punkt. Ähnlich wie 2014 vor der Bautzen-Partie wurden bei manchen Beobachtern nach fünf sieglosen Spielen unter Wollitz die Zweifel größer.

Sieg gegen Jena gibt Selbstvertrauen

Das 6:2 gegen Jena war deshalb ähnlich wie 2014 eine echte Befreiung – für die Mannschaft, für den Trainer. „Das gibt uns richtig viel Selbstvertrauen und kann noch ganz wichtig werden“, sagt deshalb auch Beck mit Blick auf die kommenden Aufgaben. Wollitz sieht das genauso: „Durch solche Erfolge können wir eine gewisse Selbstverständlichkeit erreichen, die zuvor gefehlt hat. Und dann läuft auch das Offensivspiel besser, weil die Spieler mutiger sind.“

Der Club kann jetzt auch mit deutlich mehr Selbstvertrauen und spielerischer Sicherheit morgen (19 Uhr) beim MSV Duisburg antreten.

Kommt Duisburg-Spiel zur richtigen Zeit?

Und der Tabellenführer scheint genau zur richtigen Zeit zu kommen, verlor das Team doch die vergangenen drei Partien. „Wir wissen, dass es schwer wird“, sagt Beck zwar. Aber: „Wenn wir die gleiche Einstellung wie gegen Jena auf den Platz bringen, dann kann es für uns dort sehr gut laufen.“

Klar ist: Gegen einen Bautzen-Effekt hätte der Kapitän sicherlich nichts einzuwenden.

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