Lübeck l Gedankenverloren trottete Thomas Hoßmang wenige Minuten nach dem Abpfiff an der Seitenlinie entlang. Mit langsamen Schritten und verschränkten Armen dachte der Trainer des 1. FC Magdeburg am späten Sonnabendnachmittag über das 1:1 (1:1) seines Teams im Drittliga-Duell beim VfB Lübeck nach. „Ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht, weil ich diese Situation am Ende ausgelöst habe“, sagte er.

Hoßmang greift ins Spiel ein

Diese Situation, die beinahe zur Niederlage des FCM geführt hätte. In der 89. Minute nämlich, als die Magdeburger in Überzahl auf das Siegtor drückten, als der Lübecker Sven Mende den Ball klärte und auf Höhe der Coachingzone des FCM ins Aus gegangen wäre – hätte ihn Hoßmang nicht kurz vor der Linie gestoppt und seinem Innenverteidiger Tobias Müller zugeworfen. „Ich wollte das Spiel nur schnell machen, alles andere ist dann Fußball“, erklärte Hoßmang zu seiner Regelwidrigkeit, für die er auch mit Gelb verwarnt wurde.

Die Szene hätte wahrscheinlich auch gar keine große Rolle gespielt, wären die Lübecker mit dem deshalb fälligen Freistoß nicht wieder gefährlich vor das FCM-Tor gekommen und hätten sie nicht eine Ecke und in der Nachspielzeit schließlich einen – allerdings fragwürdigen – Elfmeter herausgeholt.

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Viele dankende Worte

Dass der FCM dann aber zumindest einen Punkt mitgenommen hat, verdankte er einmal mehr seinem Schlussmann. Morten Behrens parierte den Strafstoß von Florian Riedel und wurde von seinen Mitspielern entsprechend gefeiert. Dass der FCM in den vergangenen vier Spielen ungeschlagen ist, geht vor allem auf das Konto von Behrens, der schon gegen Rostock (1:1) und Meppen (0:0) mit späten Paraden die Niederlagen abgewendet hatte. Immer wieder ist der 23-Jährige zur Stelle, seine Topform ist dem zurückhaltenden „Nordlicht“ aber fast etwas unangenehm. „Ich habe schon ein paar dankende Worte bekommen“, sagte er lächelnd.

Viel mehr hatte er auch Lob für seine Mitspieler und meinte: „Wir haben bis auf die beiden Elfmeter und den Pfostentreffer nichts zugelassen.“ Als Soufian Benyamina nach einer Ecke ans Aluminium köpfte, hatte der FCM Glück (6.). Beim ersten Elfmeter des Tages nach einem Foul von Daniel Steininger (22.) nicht: Der 30-jährige Stürmer ließ zwar die nächste Chance liegen – Behrens parierte auch diesen Strafstoß –, Routinier Mirko Boland nutzte aber den Abstauber zum 1:0.

„Ich wusste, dass er nicht so platziert schießt“, sagte Behrens, der von Torwarttrainer Matthias Tischer immer bestens über mögliche Elfmeterschützen informiert wird. „Ich habe aber auch nicht damit gerechnet, dass der Ball so zentral kommt, so konnte ich ihn nur noch mit den Beinen abwehren“, sagte der 1,93-Meter große Schleswig-Holsteiner, der in seiner Jugend für den VfB spielte, fast entschuldigend.

Der letzte Pass fehlt

Doch dafür gab es wirklich keinen Grund. Vor allem angesichts des zweiten parierten Elfmeters. „Der zweite Schütze stand nicht auf unserer Liste“, verriet die Magdeburger Nummer eins. Behrens hatte also im Gefühl, wo der Ball hingeht. Zu dieser Aufregung hätte es aber gar nicht kommen müssen, wären die Blau-Weißen auf dem Weg nach vorn etwas zielstrebiger gewesen. Zwar hatte die Hoßmang-Elf mit dem Ausgleich von Raphael Obermair (26.) schnell eine passende Antwort gefunden. Andreas Müller legte nach einem guten Dribbling für Obermair auf, der mit seinem vierten Saisontor mit dem 20-Jährigen gleichzog. Doch Chancen spielten sich die Gäste in der Folge nur sehr selten heraus – wie bei einem Distanzschuss von Thore Jacobsen (53.).

Auch nachdem sich der VfB durch einen Platzverweis von Yannick Deichmann (64.) selbst schwächte, fehlte den Gästen im letzten Drittel die Durchschlagskraft. „Wir hätten unser Überzahlspiel besser ausnutzen müssen, das war der Knackpunkt“, ärgerte sich FCM-Sportdirektor Otmar Schork.

Trainer bedankt sich bei Behrens

Hoßmang war zwar mit der Defensive zufrieden, sagte aber auch: „Es fehlte uns an Präzision, am letzten Pass. Wir müssen dann auch mal so brutal sein und einen Sieg über die Linie bringen.“ Doch weil das Pendel auch genauso gut in die andere Richtung hätte ausschlagen können, führte Hoßmangs Weg nach dem Abpfiff auch zu Behrens. „Ich habe mich bei ihm bedankt“, sagte er etwas demütig.