Paderborn/Magdeburg l Die drei Gegentore des 1. FC Magdeburg beim Auswärtsspiel gegen den SC Verl am Dienstagabend hatten doch einige Gemeinsamkeiten. Nicht nur, dass alle drei Treffer bei der 1:3 (0:1)-Niederlage über einfache Hereingaben fielen und sich die FCM-Kicker laut Abwehrchef Tobias Müller „die Boxverteidigung ankreiden lassen müssen“, auch die Körpersprache danach war jedes Mal gleich. Hängende Köpfe, fragende Blicke und eine geschockte Mimik und Gestik, als hätten die Verler gerade Halloween ein paar Tage nach vorn verlegt.

Es gab keinen Spieler auf dem Platz, der nach solchen Szenen lautstark voranging, der seine Mitspieler aufmunterte, der vermittelte, dass solche Fehler passieren können, es aber sofort positiv weitergehen muss. „Ich erwarte, dass sich die Jungs gegenseitig pushen“, sagte Trainer Thomas Hoßmang, der das bei der vierten Niederlage am 6. Spieltag vermisste. Vor allem das dritte „hergeschenkte Tor“ kurz nach der Halbzeit „ärgert mich maßlos“, ergänzte der Coach. Denn mit einem Doppelschlag stellte Verl sieben Minuten nach der Pause von 0:1 auf 0:3 aus Magdeburger Sicht, nicht nur Müller sah darin „die Entscheidung“. Nur 63 Sekunden lagen zwischen beiden Toren.

Fehlten in diesen Szenen vielleicht wiederum die Routiniers? Hätten erfahrene Spieler wie Jürgen Gjasula, Sören Bertram oder Christian Beck, der als einziger der drei zumindest gut 10 Minuten mitwirken durfte, das Team in den schwierigen Phasen aufbauen können? Schwer zu sagen. Müller, der die Binde wie zuletzt getragen hatte, schaffte es zumindest nicht. Und auch keiner seiner Mitspieler.

Stimmung bei Fans auf dem Nullpunkt

Dass jetzt auch Hoßmangs junges Team, das zuletzt beim 2:0 gegen Türkgücü überzeugte, enttäuscht hat, macht die Arbeit für den Trainer nicht leichter. Denn die Stimmung, die bei den Fans ohnehin auf dem Nullpunkt angekommen ist, wird auch im Team nicht besser, sollten Beck und Co. weiter auf der Bank schmoren.

Der enttäuschte Hoßmang, der feststellte, dass „nicht elf Spieler in Normalform auf dem Platz waren“, berichtete nach dem Spiel: „Wir haben in der Pause angesprochen, dass wir in der zweiten Hälfte mutiger und überzeugter auftreten müssen.“ Dass ausgerechnet nach dieser Ansprache dann aber so schnell zwei Gegentore fielen, wirft doch einige Fragen auf. Der Trainer, der zuletzt das richtige Händchen hatte, lag mit seinen Vorgaben dieses Mal daneben.

Denn die überzeugenden Verler nahmen mit frühem Pressing und einer starken Arbeit gegen den Ball das Heft in die Hand – und der FCM hatte dagegen keine Lösungen. Die vielen Rückpässe auf Torhüter Morten Behrens, einmal mehr einziger Spieler in Normalform, waren ein Armutszeugnis. „Wir haben keinen Druck auf den Gegner bekommen, offensiv und defensiv keine zweiten Bälle gewonnen und waren immer einen Tick zu spät“, listete Abwehrspieler Müller zudem eine ganze Reihe an Versäumnissen auf, konnte sich aber auch nicht so recht erklären, woran das mitten in der englischen Woche lag: „Eine Kraftfrage dürfte es nicht gewesen sein, wir hatten ja einen Tag länger Pause.“

Das zeigte auch das späte Aufbäumen des FCM, der sich nach dem 1:3-Anschluss von Andreas Müller (65.) zumindest nicht aufgab. Doch kann das wirklich als positives Zeichen gesehen werden? Die Frage sollte doch eher lauten: Warum müssen die Magdeburger erst 0:3 zurückliegen, um entsprechend zu reagieren? „Das ist ernüchternd und geht so nicht“, sagte auch Hoßmang, der jetzt nach Antworten suchen muss.

Nur gut, so lautete auch das Resümee des Trainers, dass „wir schon am Samstag die Möglichkeit haben, das wieder in eine andere Richtung zu drehen“. Gegen Zweitliga-Absteiger Wehen Wiesbaden, der am Dienstag parallel zum FCM einen 4:0-Sieg in Uerdingen bejubelte, muss der FCM dann aber ganz anders auftreten.

 

 

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