Magdeburg l Mit seinem Ehrentag wird sich Thomas Hoßmang in diesem Jahr weniger befasst haben als mit dem folgenden Punktspiel. Der Trainer des Fußball-Drittligisten 1. FC Magdeburg feierte am 27. November seinen 54. Geburtstag, soweit man diesen persönlichen Moment in der Branche überhaupt feiern kann. Es war zugleich der Tag vor der Partie beim FSV Zwickau, die letztlich mit der medialen Feier des Andreas Müller endete. Der 20-Jährige hatte den Treffer zum 1:0-Sieg der Blau-Weißen erzielt – und damit seinen Coach nachträglich beschenkt.

Ums Schenken geht es gemäß des gesellschaftlichen Lebens auch zu Weihnachten. Aber es ist kaum vorstellbar, dass Thomas Hoßmang sich in den vergangenen Tagen und seit Beginn der Corona-Quarantäne damit beschäftigt hat. Die Zwangspause kam für ihn hörbar zur Unzeit. „Für uns war das keine einfache Situation. Wir hätten lieber gespielt“, sagt Hoßmang. „So aber konnten wir nicht mehr eingreifen und gehen auf dem letzten Tabellenplatz in das neue Jahr.“

Analyse in der Quarantäne

Das ist nicht nur für ihn, sondern auch für die Mannschaft und die Fans ein ziemlich furchtbares Gefühl. Gegen dieses Gefühl hat der Coach in den vergangenen Tagen allerdings bereits gearbeitet. „Ich habe mir viele Videos von unseren Spielen angeschaut. Wir haben im Trainerteam viele Dinge aufgearbeitet und ausgewertet.“

Die Defensive wird den Herren auch in der theoretischen Analyse ein gutes Gefühl gegeben haben. Denn mit 1,4 Gegentreffern im Schnitt bei 15 absolvierten Begegnungen belegt der FCM in dieser Statistik den elften Platz. Die Offensive wird ihnen dagegen wiederum zu denken gegeben haben, denn mit 0,87 erzielten Treffern pro Begegnung belegen die Magdeburger im Ligavergleich nur den vorletzten Platz. Noch schlechter ist indes der KFC Uerdingen (17 Spiele). Die Elf von Ex-FCM-Trainer Stefan Krämer hat es auf einen Schnitt von 0,82 Toren geschafft, stellt allerdings mit einem Gegentor pro Partie die rechnerisch bessere Abwehr.

Uerdingen ist zugleich die nächste Aufgabe, die nächste Herausforderung für die Blau-Weißen. Am 9. Januar soll die Partie in der MDCC-Arena um 14 Uhr angepfiffen werden. „Wir wollen an den positiven Dingen festhalten, die negativen, die das Offensivspiel betreffen, wollen wir bis zum Start gegen Uerdingen in die Trainingsinhalte einbauen“, betont Hoßmang, der am kommenden Sonntag zum ersten Training nach Weihnachten bittet. Nach dem Corona-Test am Dienstag hat sich kein weiterer positiver Befund ergeben. Spieler und Trainerteam dürfen die Quarantäne verlassen, teilt der Verein mit.

Kraft tanken in der Familie

Und die Tage der Freiheit vor dem Re-Start in die Einheiten will Thomas Hoßmang für sich und für die Liebsten nutzen. Wenngleich die besondere Corona-Situation auch seine Familie getroffen hat. „Es ist schon schade, dass man nicht wie traditionell die ganze Familie an einem Tag an einem Tisch hat“, erklärt er. „Für meine Familie wird es auch deshalb problematischer, weil selbst bei uns jemand mit Covid-19 infiziert ist“, berichtet Hoßmang, der in der Nähe von Hoyerswerda, seinem Geburtsort, wohnt.

Dennoch: „Natürlich freue ich mich, mal ein paar Tage abzuschalten und Kraft zu tanken, das wird auch für mich wichtig sein“, erklärt der Trainer. „Trotzdem bin ich mit meinen Gedanken natürlich auch immer bei meiner Aufgabe und bei der Situation des 1. FC Magdeburg.“ Und die hat es in sich, nicht zuletzt mit dem Blick auf den Spielplan im Januar: Mit den gestern terminierten Nachholspielen gegen Saarbrücken (12. Januar) und Duisburg (20. Januar) bestreiten die Blau-Weißen sechs Partien im ersten Monat des neuen Jahres. Das sind wiederum sechs Chancen, nach bislang drei vollen Erfolgen mal wieder einen Sieg für den Klassenerhalt zu bejubeln. Thomas Hoßmang wird sich womöglich zu Weihnachten nichts anderes wünschen.

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