Magdeburg l Gespielt hat er außer bei Promi-Kicks nie in der MDCC-Arena, doch ist das FCM-Stadion sein zweites Zuhause. Dirk Stahmann, der am 23. März 2018 seinen 60. Geburtstag feiert, verpasst kaum ein Heimspiel der Blau-Weißen. Doch heute wird erst einmal mit ehemaligen Mannschaftskollegen in Magdeburg gefeiert.

Im Alter von acht Jahren kam der Jubilar zum Club, eine Woche nach Keeper Dirk Heyne, mit dem er später fast 15 Jahre lang ein Gespann bei den Blau-Weißen und in der DDR-Auswahl bildete. Im FDGB- Pokal gegen den BFC Dynamo gab der „Lange“ zwei Tage nach seinem 20. Geburtstag sein Debüt in der von Klaus Urbanczyk trainierten FCM-Elf. „,Banne‘ war wie Magath, nur härter“, so Stahmann über seinen ersten Männer-Trainer. Joachim Streich, den er 1985 als Kapitän ablöste, nennt Stahmann seinen besten Trainer: „Seine Arbeit hatte Hand und Fuß.“

46 Länderspiele für die DDR

Meister wurde der Libero, der nie für einen anderen Verein als den FCM gespielt hat, aber auch unter Streich nicht. In der Saison 1989/90 war die Chance auf den vierten DDR-Meistertitel groß wie nie, doch verloren die Elbestädter im letzten Spiel beim FC Karl-Marx-Stadt mit 0:1, wurden am Ende Dritter. Stahmann fehlte da gelb-gesperrt.

„Ich bereue nichts. Weder mit dem Club noch mit der Nationalmannschaft. Lieber keinmal Meister werden als zehnmal geschenkt“, sagt er mit Blick auf den BFC Dynamo. Wobei auch Stahmann zugeben muss, dass nicht alle Titel der Berliner geschenkt oder „verschoben“ waren.

Seine bitterste Niederlage erlebte der Schwarzschopf im November 1989 im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich, als die auseinanderfallende DDR in Wien mit 0:3 unterging. „Da saßen die Bundesliga-Manager mit im Praterstadion, verdrehten Sammer, Thom und Kirsten den Kopf“, erinnert sich der 46-fache Nationalspieler an den bitteren WM-K.o.

Nach Karriereende ein Comeback

Auch der Boykott der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles stellt ein dunkles Kapitel in der Karriere von Dirk Stahmann dar. Beim abschließenden 4:0 im Qualifikationsspiel gegen Island erzielte er sein einziges Tor für die Olympia-Auswahl, noch dazu im Magdeburger Ernst-Grube-Stadion. Doch dann durften sie nicht teilnehmen. „Die Gruppenauslosung war schon gelaufen. Wir sollten unter anderem gegen Brasilien spielen. Dann erfuhren wir aus der Zeitung von der Nichtteilnahme der DDR”, so Stahmann, der sich anderthalb Jahre später als stummen Protest einen Vollbart wachsen ließ. Einen Tag vor dem Rückrundenstart gegen Lok Leipzig klingelte Trainer Streich an Stahmanns Wohnungstür, sagte: „Entweder du rasierst dich, oder du kannst morgen nicht spielen.” Der FCM-Kapitän blieb stur – und in der Startelf, der Club besiegte Lok mit dem bärtigen Stahmann 1:0.

Im Sommer 1992 war Schluss für Stahmann beim FCM, doch ließ er sich ein Jahr später von Coach Jürgen Pommerenke zum Comeback überreden, ehe dann zwölf Monate später nach 328 Meisterschaftsspielen endgültig Feierabend für den „Langen“ war.