Rostock (dpa) l Trainer gefeuert, Sportchef geschasst, Aufstiegsträume geplatzt: Fußball-Drittligist FC Hansa Rostock steht zu Beginn des Fußballjahres vor einem Scherbenhaufen. "Bei allen individuellen Verdiensten der beiden um den Verein, steht aber das Gesamtwohl des FC Hansa Rostock über allem", begründete Vorstandschef Robert Marien am späten Donnerstagabend den Rauswurf von Coach Pavel Dotchev und Sportvorstand Markus Thiele. "Dies kann nur gewährleistet werden, wenn sich die für den sportlichen Bereich Verantwortlichen als Einheit verstehen und agieren. Dies ist trotz vieler intensiver Gespräche leider nicht mehr gegeben."

Das klang vor einem halben Jahr noch ganz anders. Da lobte Marien den Trainer über den Klee: "Pavel Dotchev hat den FC Hansa fußballerisch wachgeküsst." Das Zeugnis für den 53-Jährigen, der noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018 besitzt, war angesichts das ordentlichen sechsten Ranges nach dem Ende der vergangenen Saison durchaus nachzuvollziehen.

Und auch die Zielstellung Wiederaufstieg schien angesichts des insgesamt hoffnungsvollen Starts in das neue Spieljahr durchaus realistisch. Nach dem 15. Spieltag lagen die Hanseaten nur einen Punkt hinter einem direkten Aufstiegsplatz. Die Mannschaft schien trotz der vielen Transfers in der Sommerpause gefestigt.

Doch der Schein trog. Nur zwei Punkte aus den vergangenen fünf Partien ließen neben den sportlichen Schwächen auf die Differenzen hinter den Kulissen eskalieren. Das Verhältnis zwischen Trainer und Sportchef war offensichtlich gestört. Dotchev soll Spieler bekommen haben, die er gar nicht haben wollte. Thiele warf ihm zum Jahresende öffentlich taktische Defizite vor.

Dennoch kam die Beurlaubung gleich beider sportlich Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt überraschend. "Wir sind gezwungen, im sportlichen Bereich einen personellen Neuanfang zu vollziehen", betonte Marien. Vorerst wird der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und A-Junioren-Trainer Vladimir Liutyi (56) die Mannschaft trainieren. 

Als Dotchevs Nachfolger werden in den Medien unter anderem Jens Härtel, Mark Zimmermann und auch Thomas Doll gehandelt. Härtel betreute bis zum November den Zweitligisten 1. FC Magdeburg, Zimmermann wurde von Hansas Ligarivalen Carl Zeiss Jena im Dezember beurlaubt, und der frühere Rostocker Doll trainierte bis zum August vergangenen Jahres den ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest.

Wer auch immer zum Restrunden-Auftakt am 27. Januar bei Eintracht Braunschweig an der Seitenlinie stehen wird, gefragt sind vor allem die Spieler. Das sieht auch Kapitän Oliver Hüsing, einer der wenigen stabilen Leistungsträger der vergangenen Wochen, so. "Für uns geht es jetzt darum, dass wir unser Programm trotzdem vernünftig abspulen und uns bestmöglich vorbereiten. Das ist unser Job, dafür sind wir hier angestellt", sagte der 25 Jahre alte Innenverteidiger. 

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