Magdeburg l Als es einmal pro Tag an der Tür klingelte, strahlte Nico Mai über beide Ohren. Und wahrscheinlich lief im auch schon ein bisschen das Wasser im Mund zusammen. „Meine Oma hat mir immer das Essen an die Tür gestellt“, berichtet er lachend über seine Zeit in der Quarantäne. Diese verbrachte der Neuzugang des 1. FC Magdeburg nämlich in seiner Heimat in Hemsdorf, einem kleinen Ort in der Börde nördlich von Wanzleben. „Meine Eltern waren gerade im Urlaub und ich hatte das Haus und den Garten für mich alleine“, sagt der 19-Jährige.

Klingt doch eigentlich ganz nett. Doch die erste Woche beim Drittligisten „war natürlich ganz anders geplant“. Nach dem positiven Corona-Test am vergangenen Montag stand eine Woche isoliertes Training auf dem Programm. Sollte die dritte Testreihe auch negativ ausfallen, könnten die FCM-Kicker wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren. Und damit würde auch für Mai die Chance bestehen, die neuen Teamkollegen besser kennenzulernen.

Bislang hatte der gebürtige Magdeburger vor allem mit Julian Weigel, Tom Schlitter und Marvin Temp zu tun. Die anderen Nachwuchsspieler kennt er noch aus seiner U-19-Zeit. Und zwar als Gegner. Denn Mai kam aus der A-Jugend des VfL Wolfsburg zurück an die Elbe. Vorher spielte er bis zur U 15 aber schon einmal für den FCM.

Lange eine ungewisse Zukunft

Und der Linksverteidiger ist glücklich über seine Rückkehr. „Die Spieler waren durch die Corona-Situation in diesem Sommer in einer schwierigen Lage und der Transfermarkt war ganz schön durcheinander“, berichtet Mai, der auch lange zu Hause saß und in eine ungewisse Zukunft blickte. „Mir kam es echt gelegen, in ein gewohntes Umfeld zurückzukehren, hier den nächsten Schritt zu wagen und im Profibereich Fuß zu fassen“, sagt der 1,82 Meter große Linksfuß. „Der FCM ist eine sehr gute Adresse für mich.“

Das spürte Mai, der mittlerweile auch eine Wohnung im Magdeburger Stadtzentrum gefunden hat, auch schon bei der Kontaktaufnahme. Coach Thomas Hoßmang selbst meldete sich bei seinem Vater und hat sein Interesse kundgetan. Der ehemalige NLZ-Leiter kannte den Youngster noch und hat seine Entwicklung auch in Wolfsburg verfolgt.

Mit acht Jahren zum FCM gewechselt

Immerhin galt der Verteidiger schon seit jeher als großes Talent. Seinen ersten Verein in Wanzleben hat er schnell verlassen. Mit acht Jahren nahm er an der FCM-Fußballschule teil und ist positiv aufgefallen. Es folgte der Wechsel in die U 9 des Clubs. Seine Eltern waren dabei für ihn „eine riesige Unterstützung“, wie er heute berichtet. „Ohne meine Eltern wäre ich heute nicht an dem Punkt, an dem ich bin.“

Auch bei dem Wechsel in die große, weite Bundesliga-Welt haben sie ihn unterstützt. Nachdem Mai bei Landesauswahlturnieren in der U 14 und U 15 überzeugte, hatten einige Bundesligisten bei ihm angefragt. Vor allem aufgrund der geringen Entfernung entschied er sich aber für Wolfsburg und spielte dort ab der Saison 2016/17. „Das war in dem Alter ein großer Schritt“, sagte er. Mai war während seiner B- und A-Junioren-Zeit dort und wechselte vom Sportgymnasium in Magdeburg auf das Wolfsburger Internat, meisterte im Vorjahr sein Abitur.

Mai hofft auf Tipps erfahrener Mitspieler

Sportlich blieb die Zeit aber nicht ohne Rückschläge. In der U 17 hat sich Mai sein Kreuzband zu zwei Dritteln gerissen. „Da war ich fast die ganze Saison raus und musste wieder bei null anfangen“ berichtet er über die schwere Zeit. Doch in der U 19 konnte er sich auch im jüngeren Jahrgang wieder durchsetzen. 2019 wurde er mit den Wolfsburgern Staffelsieger der Bundesliga Nord/Nordost. Auch in der abgelaufenen Saison kam er in fast allen Spielen zum Einsatz. „Ich habe immer gehofft, bei den Profis mitzutrainieren“, gibt Mai zu. Doch in Wolfsburg hatte er dazu keine Chance.

Deswegen möchte er jetzt in seiner Heimat durchstarten. Seine Ziele? „Ich möchte mir Zeit geben und erstmal ankommen. Langfristig habe ich aber schon vor, mich hier durchzusetzen.“

Zunächst einmal hat Mai aber große Konkurrenz vor der Brust. In erster Linie der routinierte Timo Perthel, aber auch Leon Bell Bell und Korbinian Burger können links hinten spielen. Dessen ist sich der 19-Jährige bewusst. Genauso aber, dass es aufgrund von Verletzungen oder Sperren schnell gehen kann mit einem Einsatz. Bis dahin will er von erfahrenen Spielern wie Perthel auf jeden Fall lernen. „Ich hoffe, dass sie mich an die Hand nehmen und mir einige Dinge zeigen.“

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