Magdeburg l Vor ein paar Tagen war Christian Beck shoppen. Dabei ging es aber nicht etwa um Kleidung oder Schmuck. Der Kapitän des 1. FC Magdeburg kaufte für seine eineinhalbjährige Tochter Melina eine Schaukel und einen Sandkasten. „Da wir wegen der Corona-Krise momentan kaum das Haus verlassen, musste ich mir für Melina etwas einfallen lassen“, erklärt Beck.

Da in Magdeburg sämtliche Schulen und Kindertagesstätten geschlossen sind und der Spielbetrieb beim FCM bis mindestens 30. April ruht, ist der Stürmer in erster Linie in seiner Vaterrolle gefordert. Seine Freundin Paulin arbeitet nämlich bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt und muss dort vor Ort sein. Außerdem wohnen die Großeltern in Erfurt und somit nicht ums Eck. „Deshalb bespaße ich meine Tochter von morgens bis 17 Uhr alleine, bis Paulin nach Hause kommt“, sagt Beck.

Beck appelliert an die Vernunft

Und diese Aufgabe hat es durchaus in sich. „Melina sitzt nicht gerne still. Zum Glück haben wir einen kleinen Garten, können deshalb viel an die frische Luft. Ich gebe wie auf dem Rasen auch hierbei mein Bestes, spiele sehr viel mit ihr“, erzählt der 32-Jährige und lacht.

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Christian Beck hält sich strikt an die Empfehlungen der Bundes- und Landesregierung und nimmt sie sehr ernst. „Es geht um die Gesundheit. Leute, die sich nicht daran halten und immer noch in Gruppen draußen unterwegs sind, kann ich nicht verstehen“, stellt er klar – und appelliert: „Jeder sollte momentan so gut es geht zu Hause bleiben. Wenn wir uns alle daran halten, können wir die Verbreitung des Virus eindämmen.“

Beck verlässt nur selten das Haus

Der Stürmer selbst verlässt das Haus nur, wenn es wirklich sein muss – zum Einkaufen oder für eine Laufeinheit. Sein Trainingsprogramm beginnt am Nachmittag, wenn Freundin Paulin ihn bei der Betreuung der gemeinsamen Tochter ablöst. „Wir haben ein individuell auf jeden Spieler zugeschnittenes Fitnessprogramm bekommen“, sagt Beck.Dies beinhaltet tägliche Läufe, die 45 Minuten bis eine Stunde dauern. Über eine spezielle Uhr, die jeder Spieler bekommen hat, kann FCM-Fitnesstrainer Dirk Keller nach den jeweiligen Einheiten schauen, ob die Vorgaben eingehalten wurden. „Bisher hat er noch nicht gemeckert“, sagt Beck und lacht. Und: „Klar ist, dass es für alle Spieler hart ist, nur ohne Ball trainieren zu können. Läufe mag eigentlich kein Fußballer.“ Gestern stand zudem noch ein großes Intervalltraining auf dem Programm.

Auch wenn dieses Training im Vergleich zum normalen Alltag eines Fußballers monoton ist: Beck ist bewusst, dass es dazu gerade keine Alternative gibt. Neben den Läufen steht auch Krafttraining auf dem Zettel. Dabei müssen die meisten Spieler improvisieren. „Ich habe beispielsweise keine Geräte bei mir zu Hause. Ich mache Liegestütze, Bauchmuskel- und Dehnübungen“, erklärt er.

Tochter Melina hat besonders an den Liegestützen Spaß, setzt sich dann auf den Rücken des Papas und feuert ihn an.

Wenig persönlichen Kontakt mit Spielern

Mit den Mitspielern hat Beck momentan kaum persönlichen Kontakt. „Das beschränkt sich vor allem aufs Telefonieren, wir schreiben uns häufig Nachrichten. Viel mehr ist aber wegen der Corona-Krise nicht möglich“, erzählt er.

Anfang der Woche gab es eine virtuelle Mannschaftssitzung – via Skype waren alle Spieler mit FCM-Trainer Claus-Dieter Wollitz und Sportchef Maik Franz verbunden. „Beide haben mit uns das aktuelle Vorgehen und das individuelle Training besprochen. Wir können gerade nur von Woche zu Woche planen“, betont Beck, der darauf hofft, dass es wie geplant am 30. März wieder auf den Trainingsplatz geht.

Rückkehr auf Trainingsplatz völlig unklar

Klar ist aber auch: Es ist völlig offen, ob und wann wieder trainiert beziehungsweise gespielt werden kann. Die 3. Liga hatte sich am vergangenen Montag zunächst darauf geeinigt, den Spielbetrieb bis zum 30. April auszusetzen. Die Saison soll verlängert und bestenfalls bis zum 30. Juni beendet werden. Wegen der verschobenen Europameisterschaft wäre im Sommer auch die benötigte Zeit dafür vorhanden.

Ob es dazu kommt, kann aber niemand wirklich seriös beantworten, weil sich die Prognosen rund um die Infektionsrate fast täglich ändern und angepasst werden. „Es wäre natürlich schön, wenn wir bald trainieren und dann auch spielen könnten. Das ist aber jetzt nur Nebensache. Wir alle hoffen in erster Linie, dass das Virus in den Griff bekommen wird“, betont Beck.

Momentan wird sein Alltag aber so oder so ordentlich ausgefüllt. „Melina verlangt mir alles ab. Ich bin abends schon ziemlich kaputt und falle recht früh ins Bett“, sagt er und schmunzelt.

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