Magdeburg l Beim FCM ist die Zeit für eine erste Zwischenbilanz gekommen. In der Volksstimme sprachen FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik und Sportchef Maik Franz über die bisherigen Eindrücke.

Herr Kallnik, Herr Franz, das 2:2 gegen Dresden war ein gefühlter Sieg. Warum hat der FCM in dieser Saison bisher trotzdem erst einen Dreier auf dem Konto?

Mario Kallnik: Neun Punkte aus neun Spielen sind zu wenig. Wir wissen alle, dass das nicht zufriedenstellend ist. In den Punkten Laufbereitschaft, Disziplin und vor allem Mentalität konnte unser Team bisher überzeugen. Unser Potential liegt insbesondere in der Offensive und der dazugehörigen Balance. Das heißt, wir brauchen mehr Lösungsmöglichkeiten um die Quantität unserer Torchancen zu erhöhen und müssen dabei defensiv stabil sein. 

Maik Franz: Wir hätten gerne vier, fünf Zähler mehr auf dem Konto. Fest steht aber auch, dass wir sieben Spiele nicht verloren haben. Das Dilemma, in dem wir uns befinden, ist, dass erst ein Sieg zu Buche steht. 

Wo muss jetzt angesetzt werden?

Kallnik: Die 2. Liga tickt anders. Die Lösungen, für das, was wir als Problem sehen, liegen in der Offensive. Wir müssen mutiger und kreativer nach vorn spielen und entschlossener kompakt nachrücken. Darunter darf die Balance nicht leiden. Zuletzt wurde daran intensiv gearbeitet. Das sieht man auch an der Anzahl der Tore. Was noch nicht gestimmt hat, war die Balance. Unser Anspruch ist hoch: Wir wollen die 2. Liga nicht verwalten, sondern erobern. Darüber haben wir mit Jens in den vergangenen Tagen intensiv gesprochen.

Bisher war es so, dass es entweder defensiv oder offensiv funktionierte. Wieso fehlt die Balance?

Franz: Positiv ist, dass wir hinten kompakt stehen. Das ist die Basis. Wenn wir den Mut finden, den wir über weite Strecken bisher nicht hatten, dann können wir auch nach vorne überzeugen. Das hat man stellenweise in den Partien in Paderborn und gegen Duisburg gesehen. Gerade in Paderborn haben wir uns viele Chancen herausgespielt. Am offensichtlichsten war es gegen Dynamo Dresden. Dort haben wir in der zweiten Hälfte nach einer Umstellung den offensiven Druck erzeugt, den wir uns vorstellen. Danach stand Dresden plötzlich tief und hatte Probleme. In dieser zweiten Halbzeit haben wir die Wucht gesehen, die uns in der 3. Liga so ausgezeichnet hat. 

Wieso gelingt es der Mannschaft nicht, diese Wucht über 90 Minuten zu zeigen?

Franz: Wir haben schon ein bisschen Zeit gebraucht, um uns in der 2. Liga zurechtzufinden. Bei dem einen oder anderen Spieler haben wir gemerkt, dass er etwas braucht. Wir haben erkannt, worauf es in dieser Liga ankommt. Viele Spieler haben mittlerweile eine Selbstverständlichkeit entwickelt, in dieser Liga aufzulaufen. Das müssen wir weiter ausbauen.

Gegen Dresden stellte FCM-Trainer Jens Härtel in der Halbzeit um, Philip Türpitz gab den Spielmacher hinter den Spitzen. Ist diese neue Position ein Schlüssel zum Erfolg?

Kallnik: Ich würde es nicht auf die Position reduzieren. Es geht darum, dass wir den Fußball, mit dem wir in der Vergangenheit erfolgreich waren, beibehalten und nun schnell weiterentwickeln. Die Magdeburger DNA bildet dabei unsere Grundlage. Agieren statt reagieren ist mehr denn je gefragt. Wir müssen die bisherige Art und Weise Fußball zu spielen mit einem Plus an mehr Chancen in der Offensive versehen, sprich den nächsten Schritt in dieser Liga machen. Dabei sind all unsere Spieler gefordert, vornweg das Trainerteam. 

Magdeburger DNA, sprich Leidenschaft und Einsatz – wie kann eine solche Weiterentwicklung gelingen?

Kallnik: Spätestens jetzt ist allen klar, dass eine Verwaltung der 2.Liga nicht funktioniert. Also müssen wir unser Denken in Eroberung umstellen. Die 2.Liga muss erobert und darf nicht bewahrt werden. Diese Einstellung müssen wir in jedem Spiel und über die gesamte Dauer zeigen. Nur so kann es für uns erfolgreich funktionieren. Darüber hinaus gibt es einige systemische und personelle Möglichkeiten, die bisher noch nicht ausgeschöpft wurden. 

Franz: Wir müssen die Flexibilität ausbauen. Gegen Dresden war zu sehen, dass wir auch starke Gegner vor Probleme stellen können, wenn wir sie überraschen. 

Warum tut sich der FCM gerade in den Heimspielen so schwer?

Franz: Dass wir mit unseren Fans im Rücken noch keinen Heimsieg eingefahren haben, ist nicht zufriedenstellend. Wir lassen uns auch nicht vom gefühlten Sieg gegen Dresden blenden, wir haben im Ostderby nur einen Punkt geholt.

Kallnik:  In der 2. Liga erschreckt sich niemand mehr, wenn er nach Magdeburg kommt. Die meisten Spieler kennen die Stimmung, kennen volle Stadien. Es geht vielen Mannschaften gar nicht darum, ob sie zu Hause oder auswärts spielen. Sie wollen immer gewinnen, egal wann und wo. Dahingehend wollen wir uns schnell weiterentwickeln und müssen entsprechend siegesorientierter auftreten. 

Wo muss Trainer Jens Härtel in der Länderspielpause jetzt ansetzen?

Franz: Wir haben einen intensiven Austausch. Wir sprechen jede Woche, analysieren permanent. Das Trainerteam sieht ja auch, was nicht so gut läuft. Das Trainerteam ist dabei, im Training die genannten Ansätze zu optimieren. Die Länderspielpause sollte genutzt werden, um effektive Lösungsmöglichkeiten zu testen. Unsere Spieler sind gefordert, auf dem Platz zu agieren, auch mal untereinander zu besprechen, welche Entscheidungen während des Spiels getroffen werden können. Fest steht aber auch: Wenn wir wie bisher punkten, wird das nicht für den Klassenerhalt reichen.

Sie haben einen Kader, der mit 26 Spielern breit besetzt ist. Wie zufrieden sind Sie mit der Personalauswahl?

Kallnik: Wir sind zu 100 Prozent überzeugt, dass wir mit unserer Mannschaft unsere Ziele realisieren können. Wir haben die Mannschaft mit den Spielern, die wir geholt haben, noch mal verstärkt. Es gibt genug Alternativen auf allen Positionen.

Franz: Wenn es um die Mentalität, Laufbereitschaft und Disziplin geht, kann man der Mannschaft nur ein großes Kompliment machen. Das ist auf einem ganz hohen Level. Wir haben auch alle Qualitäten im Kader. Jetzt gilt es, das so zusammenzufügen, dass wir noch erfolgreicher sind.

Kallnik: Das Trainerteam arbeitet aktuell an den Potenzialen und somit an der Weiterentwicklung des gesamten Kaders. 

Mit Joel Abu Hanna, Manfred Osei Kwadwo und Mergim Berisha sitzen drei Neuzugänge fast nur auf der Tribüne. Was fehlt ihnen?

Franz: Natürlich sind sie unzufrieden. Sie ordnen sich aber ein, wir haben keine Quertreiber im Team. Neue Spieler wie Aleksandar Ignjovski, Tobias Müller, Marius Bülter, Romain Brégerie und Rico Preißinger haben schon gezeigt, was sie drauf haben.

Kallnik: Manche Spieler brauchen etwas länger, um sich zurechtzufinden. Das kennen wir bereits aus den vergangenen Jahren, zum Beispiel bei Florian Pick oder Florian Kath. Beide haben dann im weiteren Verlauf aber noch eine richtig gute Rolle gespielt. 

Franz: Wir lassen ganz sicher niemanden fallen. Die Überzeugung ist da, dass die Jungs es können. Natürlich sind sie momentan nicht frei im Kopf. Es liegt aber immer an den Spielern selbst. Sie müssen verstehen, dass sie im Training und in Testspielen gefordert sind.

Heute geht es im Testspiel gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg. Ist das eine Chance für Spieler wie Abu Hanna, Kwadwo oder Berisha?

Franz: Die Jungs können durch Leistung überzeugen und somit dem Trainerteam zukünftige Entscheidungen bei der Kadernominierung erschweren. Leider ist das im letzten Test gegen Erfurt so gelungen, wie wir es uns wünschen. Niemand konnte auf sich aufmerksam machen. Die Gelegenheit ist in solchen Partien aber groß, wenn man sonst nicht so oft spielt. Das müssen die Jungs verinnerlichen. Dann kommen sie auch wieder näher an den Kader heran.

Kallnik: Wir teilen die Forderungen von Trainer Jens Härtel zu 100 Prozent, das jeder Spieler in jedem Training oder Spiel alles geben und letztendlich durch Leistung überzeugen muss. Diesen Weg leben wir jeden Tag auf´s Neue selbst und fordern auch von allen ein.

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