Magdeburg l Die Erleichterung war am Sonnabend in der MDCC-Arena greifbar – bei den meisten der 17 095 Zuschauer, bei der Mannschaft und dem Trainerteam um Chefcoach Claus-Dieter Wollitz.

Pfiffe nach schwacher Anfangsphase

Das 6:2 gegen Jena setzte beim 1. FC Magdeburg zuvor lange vermisste Glücksgefühle frei. Es war der höchste Saisonerfolg und der der erste Sieg seit dem 2:1 am 30. November in Großaspach. Für Wollitz war es zudem der erste Dreier beim neuen Verein. „Das Schönste war, dass ich in der Kabine lachende Spieler gesehen habe“, sagte der Trainer. Und: „Selbst nach dem 0:1 war ich davon überzeugt, dass wir gewinnen.“

Doch diese Überzeugung war keinesfalls selbstverständlich und wurde von vielen Zuschauern zu Beginn auch nicht geteilt. Nachdem Jena nämlich durch Daniele Gabriele früh in Führung ging (8.) hatte der FCM große Probleme, in die Partie zu finden. Diese Unsicherheit wurde von vielen Fans mit gellenden Pfiffen quittiert.

Lange vermisste Stärken bei Standards

Doch der Club kämpfte sich zurück – und zeigte eine zuvor lange vermisste Qualität bei Standards. Im Mittelpunkt stand Verteidiger Timo Perthel, der die Ecken von der rechten Seite mit links scharf in den Strafraum schlug. In der 24. Minute profitierte davon Kapitän Christian Beck, der per Kopf zum Ausgleich verwandelte. Für den 31-Jährigen war es der erste Treffer im Jahr 2020. Entsprechend erleichtert war Beck: „Ich werde an Toren gemessen und messe mich selbst daran. Deshalb hat mir das natürlich richtig gutgetan.“

Und vor dem 2:1 war es erneut Perthel, der von rechts eine Ecke trat. Sören Bertram verlängerte per Kopf in Richtung Tor, dort grätschte Marcel Costly den Ball über die Linie (30.). Für den Rechtsverteidiger war es das erste Saisontor und der erste Treffer seit dem 4:4 am 23. September 2018 in Paderborn. Der Treffer hatte übrigens wenig mit Zufall zu tun, wie Costly verriet: „Das war eine Variante, die wir einstudiert hatten. Es ist schön, dass ich mich und die Mannschaft mit dem Treffer belohnen konnte.“

Auch mit der Führung im Rücken schaffte es der FCM aber nicht, die Partie auf seine Seite zu bringen. Und so kam Jena nach knapp einer Stunde tatsächlich zum Ausgleich, als Aytac Sulu nach einem Freistoß des Ex-Magdeburgers Nico Hammann traf (58.). „Mit dem 2:2 wurde es für mich zum ersten Mal wirklich kritisch“, gab Wollitz zu. Denn: „Ich hatte in der Halbzeit angesprochen, dass wir keine Querpässe mehr spielen sollen, sondern nur noch in die Tiefe.“ Entsprechend brauchte der Club einige Minuten, um sich zu fangen.

Conteh wird zum Matchwinner

Doch mit der Einwechslung von Sirlord Conteh wendete sich das Blatt doch noch zugunsten des FCM (65.): Der schnelle Stürmer war zunächst am 3:2 beteiligt, als er im Strafraum von Jenas Verteidiger Dominic Volkmer gefoult wurde. Jürgen Gjasula verwandelte im dritten Spiel in Folge souverän einen Elfmeter (70.). Christian Beck besorgte mit seinem zweiten Tor schließlich die Vorentscheidung (74.), Conteh erhöhte dann mit seinen ersten beiden Saisontreffern (79./90.) gar auf 6:2.

Bei aller Freude über den lange ersehnten Sieg waren Spieler und Trainer aber direkt nach der Partie bemüht, die Euphorie nicht zu groß werden zu lassen. „Wir nehmen den Sieg natürlich sehr, sehr gerne mit, auch wenn er vielleicht ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen ist“, sagte Sören Bertram, der diesmal hinter den Stürmern Christian Beck und Tarek Chahed beziehungsweise Sirlord Conteh wirbelte. Bertram sagte aber auch: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es für diesen Sieg auch nur drei Punkte gibt. Wir müssen jetzt dranbleiben.“

Zurückhaltung trotz des Sieges

Diese Zurückhaltung ergibt durchaus Sinn: Zwar kletterte der FCM durch den Dreier gegen Jena in der Tabelle auf den zwölften Tabellenplatz, hat aber trotzdem mit 33 Punkten nur zwei Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, den momentan der Chemnitzer FC belegt. „Wir können uns ein bisschen freuen, am Montag wird aber wieder trainiert“, stellte Wollitz klar. Am Freitag geht es für den Club beim MSV Duisburg bereits weiter.

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