Masgdeburg l Als Luka Sliskovic vor einigen Wochen das Angebot vom 1. FC Magdeburg erreichte, musste er nicht erst im Internet nach dem Drittliga-Club suchen. Der Österreicher, der in der Schweiz geboren wurde und auch seine komplette bisherige Laufbahn in der Eidgenossenschaft verbrachte, hat vorher schon von Magdeburg gehört. „Ich wusste, dass der FCM mal den Europapokal gewonnen hat und zuletzt auch in der 2. Bundesliga spielte“, sagt der 25-Jährige, der zuletzt vier Jahre für den Schweizer Zweitligisten FC Winterthur kickte. „Der FCM ist ein Traditionsverein und schon ein Name, auch in der Schweiz.“

Deshalb musste der variabel einsetzbare Offensivspieler bei der Offerte der Blau-Weißen auch nicht lange überlegen. Erstmals verlässt er seine Heimat und tauscht Alpen gegen Harz. „Es ist schon anders, von der Familie weg und allein zu Hause zu sein. Da muss ich mich noch dran gewöhnen“, verrät Sliskovic, der mittlerweile eine Wohnung in Sudenburg gefunden hat. Viel von seiner neuen Heimat, er unterzeichnete beim FCM einen Vertrag bis 2023, hat er noch nicht gesehen. Zur intensiven Vorbereitung kam auch Stress beim Möbelkauf. Dennoch betont er: „Ich fühle mich hier wohl, es ist sehr angenehm in der Stadt.“

"Viel mehr Begeisterung" beim FCM

Und auch im Stadion, wie er am vergangenen Wochenende bei seinem ersten Pflichtspiel für den neuen Arbeitgeber merkte. Die Magdeburger schieden im Pokal gegen Darmstadt zwar knapp mit 2:3 nach Verlängerung aus, der Auftritt war aber vielversprechend. Und Sliskovic hat die Atmosphäre genossen. „Das ist ganz anders hier, ich spüre bei den Fans viel mehr Begeisterung für den Fußball und den Verein als in der Schweiz.“ Die 5000 Fans, die im Pokal erlaubt waren, kamen bei seiner vorherigen Station nur an guten Tagen. Der Zuschauerschnitt in Winterthur lag in der Vorsaison bei 2571. „Das war schon sehr laut im Stadion“, berichtet der 1,80 Meter große Dribbler über das erste Pflichtspiel in Magdeburg. „Ich freue mich, wenn noch mehr Fans dazukommen. Dann gibt es noch mehr Gänsehaut und Adrenalin.“

Das könnte schon am Wochenende der Fall sein. Die erlaubte Zuschauerzahl für das Derby wurde auf 7500 erhöht. Und mit dem Halleschen FC kommt am Sonntag um 14 Uhr auch ein ganz besonderer Gegner in die MDCC-Arena. Ob Sliskovic die Bedeutung des Sachsen-Anhalt-Duells gleich zum Ligastart bewusst ist? „Ich habe schon gehört, dass es ein Derby ist“, sagt er, war im Training unter der Woche aber „noch ganz entspannt“. Je näher das Spiel dann aber heranrückt, desto größer wird auch die Vorfreude bei Sliskovic auf das erste Punktspiel. „Ich habe so ein Derby noch nie erlebt und werde Vollgas geben.“

Das hat die neue „Sieben“ des FCM, der diese Nummer trägt, weil Cristiano Ronaldo sein Vorbild ist, auch schon in der Vorbereitung. Mit guten Leistungen in den Testspielen wurde er bei den Fans schnell zum Hoffnungsträger. Der Offensivmann, der es in den vergangenen beiden Spielzeiten auf jeweils 20 Torbeteiligungen brachte, soll die im Vorjahr schwache FCM-Offensive (49 Tore in 38 Spielen) beleben.

Freistoß wurde als „Tor des Monats“ no

Sliskovic hat durchaus mitbekommen, dass es in der Vorsaison vor dem Tor haperte und betont: „Ich bin mit dem Gedanken hergekommen, der Mannschaft zu helfen und mich in der Offensive einzubringen.“ Er weiß, die große Erwartungshaltung „kann auch ein Druck sein, aber ich sehe das positiv. Ich gebe mein Bestes, dass ich meine Qualitäten zeigen kann.“

Und dazu gehören neben seiner Schnelligkeit, dem Abschluss und der Technik auch seine Fähigkeiten bei Standards. Mit seinem Freistoßhammer gegen Aue, als der ehemalige Schweizer U-20-Nationalspieler die Kugel aus gut 25 Metern mit dem Vollspann in den Winkel zimmerte, wurde sogar zum „Tor des Monats“ bei der ARD-Sportschau nominiert. Noch bis zum 26. September kann für den FCM-Neuzugang abgestimmt werden, der sich in einer Liste mit Bayern-Profis wie Joshua Kimmich oder Serge Gnabry befindet. „Ich habe das zuerst gar nicht mitbekommen, sagt Sliskovic, der darauf angesprochen wurde. „Das ist ein schönes Gefühl.“

Von früh auf einen guten Schuss

Auch Freunde und Bekannte haben ihn vermehrt darauf angesprochen. „Noch nicht lange da und schon so einen Schuss abgeliefert“, hieß es. Sliskovic sagt zu seinen Freistoßqualitäten: „Ich habe schon von früh auf einen guten Schuss, das hat sich mit der Zeit weiterentwickelt und ist sicherlich eine Stärke von mir.“

Diese und seine weiteren Qualitäten will er nun also auch in der Liga einbringen, auf welcher Position ist ihm dabei egal. Zuvor spielte er oft im offensiven Mittelfeld, beim FCM bislang zumeist auf dem linken Flügel. Er freut sich auf jeden Fall über das Vertrauen von Thomas Hoßmang. „Der Trainer lässt mich vorn spielen, dafür wurde ich geholt. Ich will mich weiterentwickeln und mit der Mannschaft Erfolg haben.“ Dann hat er sich hier sicher auch schnell einen Namen gemacht.

Mehr Infos zum FCM gibt es im Liveblog